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Full text of "Die Schule von Gaza: Eine litterargeschichtliche Untersuchung..."

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SCHULE VON GAZA. 

EINE 
LITTBBAKÖESCHICHTLICHB ÜNTERSÜCHONa. 

- ■ 6^ 

INAUGURAL-DI88BRTATI0N 

ZUR ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE 
PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT 

HÜPEECHT-CABOLINISCHEN UNIVERSITÄT ZD HEIDELBEKa, 



KILIAN SEITZ. 



HEIDELBERG. 

CARL WINTER' S UNIVERSITÄT SBUCHHA.NDI'ÜNa. 



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t-:,A U 



Abkürzungen. 



AD = Aeneas Gazmvb .... ad codd. rec. Barthii Tarini 
Duoffii notas addidit J. Fr. Boissonade. Par. 1836. 

AB = Aeneae epistt. rec. R. Hercher in «Epistolographi 
Grseci» p. 24 ff. 

ChB == Choricii Gaz^i orationes .... Curante J. Fr. Bois- 
sonade. Par. 1846. 

ChG = MÄLANGES Graux. 

ChH = Hermes Zeitfchrift für klaff. Philologie. 

ChJ^ = Index lectionum in universitate litterarum Vratisla- 
viensi per aestatem anni 1891 ... . 

ChJ* = Index lect. Vrat. per hiem. 1891—92. 

ChRP = Revue de philologie, de litt^rature et d'histoire an- 
ciennes. N. S. T. I. 

JA = JoANNis Gaz^i descriptio .... rec. Abel. Berol. 1882. 

PA = Procopii .... panegjrricus in imperatorem Anastasium 
ed B. G. NiEBUHRius in «Corp. scriptt. bist. Byzant.» P. I. 
p. 489 ff. 

PB = Procopii epistt. rec. R. Hercher p. 533 ff. 

(PM = Procopii Monodia ed Jo. Iriarte in catal. codd. mss. 
Greec. biblioth. reg. Matrit. I. p. 264.) 



y 



Vita. 

Ich, KiLiAN Seitz, geb. am 17. Juli 1863 zu Gerichtstetten 
in Baden, kath. Konfeffion, befuchte vom Herbft 1879 bis dahin 
1885 das Gymnafium zu Tauberbifchofsheim. Nach erlangtem 
Maturitätszeugnis bezog ich die Univerfität Heidelberg und hörte 
die Vorlefungen der Herreu Profeübren: Brandt, v. Duhn, Exc. 
Fischer, Osthoff, Geh. Hofr. Rohde, Geh. Hofr. Scholl, Uhlig, 
Geh. Hofr. Wachsmuth. Allen bin ich zu lebhaftem Dank ver- 
pflichtet, insbefondere Herrn Geh. Hofr. Rohde, der mir für die 
vorliegende Arbeit in wohlwollender Weife mehrere eigenen Be- 
obachtungen zur Verfügung geftellt hat. Im Frühjahr 1890 machte 
ich das Staatsexamen und war Seitdem an verfchiedenen Anftalten 
teils als Stellvertreter, teils als Volontär thätig. Am 9. Februar 
1891 beftand ich das Doktorexamen. 



Als die Sophiftenfchulen in allen Teilen der griechifchen Welt 
ihren Höhepunkt längft überfchritten hatten und manche 
fchon verfchwunden waren, vermochte in der fyrifchen Stadt Gaza ^ 
das ZufammentrefFen günftiger Umftände noch ein kurzes Auf- 
blühen derfelben hervorzurufen. Schon weit früher hatte ganz 
Syrien den verfchiedenften geiftigen BeArebungen des Griechentums 
eine lebhafte Teilnahme entgegengebracht; in Gaza kamen die 
Urfachen für diefe Erfcheinung erft fpäter und zum Teil in ge- 
fteigertem Maße zur Geltung. 

Seit Alexander d. Gr. hatten zahlreiche griechifchen Einwande- 
rungen, mehr noch makedonifche Befatzungen und Kleruchien in 
den urfprüngliciien Charakter der Bewohner allmählich manche 
griechifchen Züge hineingetragen und ihn mit griechifchem Wefen 
durchfetzt, und als die Herrschaft der Römer jenen Städten end- 
lich die langentbehrte Ruhe brachte, nahm die Erftarkung des 
Hellenismus ungehindert ihren Fortgang. 

Waren fo die Bewohner Gazas dem Geiftesleben der Griechen 
zugänglicher geworden, fo trat noch eine Reihe anderer Umftände 
hinzu, die geeignet waren, gerade die Sophiftik zu beeinfluffen 
und zu heben. 

Sie konnte fich hier im Glänze all der Herrlichkeiten fonnen, 
welche der aus zahlreichen Quellen^ in der Stadt der Philiftäer 
zufammenfließende Reichtum im Gefolge hatte. Schöne Plätze 
und Anlagen für den Verkehr und Genuß, prächtige Gebäude und 



* Vgl. über diefe Stadt: K. B.' Stark, Gaza und die philifläifche Küfte, 
Jena 1852; Robinson und Smith, Paläflina und die füdlich angrenzenden 
Länder, Halle 1841. n. 634 ff. 

2 Stark, Gaza S. 660 f. 
Seitz, Die Schule von Gaza. 1 






— 2 — 

Kunftwerke fchmückten die Stadt, glänzende Felle belebten fie, 
kurz, keines der taufend Dinge fehlte, welche, die Sophiften aller 
Zeiten wenigftens in der Nähe fehen wollten, wenn fehon mancher 
arme Schlucker unter ihnen auf deren Genuß verzichten mußte. 
Die Schriften des Gazäers Choricius enthalten viele intereflanten 
Nachrichten über das glänzende Leben in diefer Stadt, und noch 
um das Jahr 570 fagt Antoninus Martyr: Gaza autem civitas 
splmdida, äelicwsa, homines honestissimij omni liberalitate decori, ama- 
tores peregrinorum»^. 

Die glückliche geographifche Lage von Gaza hatte noch weitere 
Bedeutung für die geiftigen Beftrebungen diefer Stadt. Seit Jahr- 
hunderten hatten die Gazäer nach Ägypten hingeneigt, wenn eine 
politifche Entfcheidung an fie herantrat. Hierher, insbefondere 
nach Alexandria, wandten fie faß ausnahmslos ihre Schritte, um die 
dortigen Schulen zu befuchen. War auch längft deren Blütezeit 
vorüber, fo herrfchte doch noch eine lebhafte Betriebfamkeit, und 
Alexandria hatte im 5. und 6. Jahrhundert noch eine fchöne Reihe 
bedeutender und hervorragender Männer auf den verfchiedenften 
Gebieten. Für Gaza wirkte befonders die Befchäftigung mit der 
Philofophie in Alexandria anregend; hier lernte man philofophifch 
denken, hier die Sätze der alten Philofophie kennen, um fich dann 
von chriftlichem Standpunkt aus gegen diefelbe zu wenden^. In 
diefer Stadt, welche Prokop tyjv xoivyjv twv Xöywv (XYjT^pa nennt 
(B 133), ließen fich die Gazäer auch in die Künfte der fophiftifchen 
Beredfamkeit einweihen^. Noch nach vollendeten Studien fahen 
fie in Alexandria die geiftige Mutterftadt, in welche fie ihre eigenen 



1 Itin. S. 35, 2 ff. TOBLER. 

2 AD If,: 'H oh |JL£[JLV7)oat ttj? to5 'lepoxXeoü? cptXooocpias, wap' & <piXo- 
oocpoovie? tx iraiSi? xal äXX'fiXüJV epwvTe? TzoWohq et^^optev to6? epaoxai; .... 
izap* 4]|j.ü>v ÄTC-gpa? icotxtXvj? oocpta^ oaoxöv Y^fiLtoa? . . . Vgl. unten S. 24 ff. 

8 Vgl. unten S. 11, 24 etc. — Hierher gehören auch folche Gazäer, 
welche dem Kreis der gazäifchen Sophiften fern blieben, wie Isidor, der 
neun Jahre lang in Alexandria den Studien der Beredfamkeit oblag (J. Simon, 
Histoire de Vecole d^Älexandrie. Par. 1845. IL S. 594). 



— 3 — 

Produkte zur Beurteilung durch gelehrte Freunde fchickten (PB 112*); 
Nicht minder bezeichnend für den Verkehr der beiden Städte 
auf geilligem Gebiete find die Wechfelbeziehungen der Lehrer, 
die ihre Schüler mit Empfehlungsfchreiben zur weiteren Ausbildung 
einander zufandten^. Die Betriebfamkeit der Gazäer als Lehrer und 
Gelehrte rief ähnliche Beziehungen auch zu andern Städten her- 
vor, fo zu Berytus, an deflen berühmter Rechtsfchule die Schüler 
der Gazäer nach vollendeter Vorbildung ihre FachAudien machten, 
zu Antiochia, deflen hochgerühmte* Schule ebenfalls von folchen 
Schülern befucht wurde. Endlich erfcheinen in den Briefen der 
Gazäer noch Konflantinopel, Caefarea und Elusa. Und wir dürfen 
annehmen, daß wir durch die Ungunft der Verhältniflfe nicht noch 
mehr Städte und nichts Genaueres über ihre Beziehungen zu Gaza 
angeben können. 

, Eine vorzügliche Stütze fand die Sophiftik in den Feilen, 
welche feit alter Zeit einen Ruf in ganz Syrien genoflen*, da in 
den mit ihnen nach alter Sitte verknüpften Agonen der glückliche 
Sophift die Früchte feines Talentes und feines Fleißes erntete 
und frifchen Mut zu fortgefetztem Schaffen gewann. Der Glanz 
der alten heidnifchen Fefte kann freilich nur in mittelbarer Be- 
ziehung zu der fpäten Blüte der Sophiftik in Gaza ftehen, deren 



* Von Alexandria bezog Pbokop auch feine Bücher (PB 68). 

* Vgl. unten über Dorotheos S. 18, über Johannes S. 15, Epiphanios 
S. 13. — Natürlich führten auch andere Angelegenheiten zu brieflichem 
Verkehr zwifchen den beiden Städten; vgl. S. 13. 

8 Äneas (B 17) nennt Antiochia eine Stadt der Mufen: IlaXat [i^v xö 
IX-ijXtov xotviv 8t8aoxaXstov ttov 4]p(o(ov eSoxst, vovl 8e 4) b\i.txipa xal xwv Moo- 
040V noXt?, xal iirtOTeooav ol iraxeps? zobq olel^ aötot? w? öpia? cpottuiVTa? y| 
Xo^oö^ pLav^Äveiv ^ XoYOüC elSevat Boxetv. xal ^aopLaoxöv oüS^v: Denn Kalliope 
und ihre Schweflern, Hermes und Apollo haben fich dahin begeben, und 
DionyfuB lehrt dort feine Myfterien: xaöxa StsYstpet irpsoß6xa(;, xaöxa ooy- 
xaXet VEOt)^. 

* In einem Ehrendekret an den Kaifer Gordian III. nennt ßch die 

Stadt: -^ «oXi? 4][Xü)v Fa^atcuv Upä xal äoüXo? xal a5x6vo|j.o? Tnax*)^ 4^ eooeß4]S 

- xal pLeY«iXYj (Böckh 0. J. n. 6892). 

1* 



— 4 — 

uns bekannte Vertreter ja alle dem Chriftentum angehören. Aber 
es lag darin fchon der Keim und gewiflermaßen die Bedingung 
für eine gleich prächtige Ausrichtung der chriAlichen Fefte. Der 
zähe Widerftand der Bewohner von Gaza gegen das Chriflentuna, 
der im 6. Jahrhundert noch nicht völlig gebrochen war^, gebot 
nach dem endlichen Siege der neuen Religion der kirchlichen Be^ 
hörde, die bald in den Befitz des höchften Anfehens und Ein- 
fluITes in der Stadt gelangt war, fich möglichft an die alten Sitten 
anzufchließen und für die abgefchafilen einen gewiflen Erfatz zu 
bieten. Sie fuchte alfo nicht auf einmal jede Erinnerung an den 
früheren Zuftand zu tilgen, fondern nahm dem Chriftentum un- 
gefährliche Sitten und Einrichtungen herüber oder paßte fie un- 
merklich den neuen an, fo daß nicht allzu lange nach Befeitigung 
der Trümmer und blutigen Spuren, die den Einzug der neuen 
Religion in Gaza bezeichneten, das Volk fich unfchwer in die 
neuen Verhältnifle finden konnte. So wurden die glänzenden heid- 
nifchen Fefte durch chriftliche Volks- und Kirchenfefte erfetzt. 
Es ift wahrscheinlich, daß das berühmte Feft Matoojia in der gleich- 
namigen Hafenftadt Gazas fortbeftand in der T^(i^pa täv pöScov^, 



* Im 4. Jahrhundert kommen diefe religiöfen Gegenfätze felbft in der 
Rennbahn zum Ausdruck ; als ein Cbrift, der den hl. Hilarion um fein Gebet 
für diefe Sache angefprochen hatte, mit dem Gefpann über einen Heiden 
fiegte, machte dies folchen Eindruck,, «ut ethnici guoque ipsi concrepa/rent, 
Marnas victus est a Christo. Porro furentes adversarii Hilarionem mäleficum 
Christianum ad supplicium poposcerunt, Induhitata ergo victoria et Ulis et 
muUisretro dreensibus plurimis fidei occasio fuit (Hierontm. vito S. Hilarion. 
c. 20). In noch fpäterer Zeit findet man eine heidnifche Gemeinde in 
Gaza, wie eine Nachricht des Damascius bei Suidas zeigt: 'Avtwvio? 'AXe|- 
avBpsü? .... Kpö? hh ^Xrfi'tia.v lepmiaxo? l'{f^6\fsi xal Xiav ^pptüto T'}]V 4'^X'h^ 
nphq ^eoü -ö-epaTcetav, T*rjv te SfjjiOTsXY] xyjv T5 &TCopp7]xoxepav' Äoxs xal x*^v 
Fafav &ire<pirjvev lepwxepav iroXXil) jiöcXXov ^ icpoxepov -S^v. SozOM. V, 9. 10 und 
VII, 16. S. auch CosMAS Indicopl. S. 161 über Petra; ähnlich wie in 
Gaza und Petra mögen die religiöfen Verhältnilfe zu jener Zeit im ganzen 
füdlichen Teil von Syrien gelegen haben. 

* Auch der Name Matoüfj.a fcheint fich für das Feft erhalten zu haben: 
PB 106. 



— 5 — 

an der die Sophiften, wie früher, Liebe und Leid der Aphrodite 
feierten. Die vom Bifchof Marcianus eingerichtete Herbllfeier mit 
ihrer prächtigen Illumination erfetzte wohl das alte Dionyfosfeft^. 
Die großartigen chriftlichen Kirchen, welche an Stelle der alten 
Göttertempel traten, boten wie die Felle den Sophiften Gelegen- 
heit und Stoff zu Deklamationen*. Wie weit diefe fich an die 
alten Gebräuche und Anfchauungen anfchließen durften, zeigt die 
manchmal ergötzliche Verquickung chriftlicher und vorchriftlicher 
Vorftellungen ^. 

Abgesehen von dem Interefle der Kirche, an der Erhaltung 
der alten Bildungsmittel thaten auch rein praktifche Zwecke des 
profanen Lebens das ihrige. Die zahlreichen Beamten, welche bei 
der Verwaltung und den Gerichten . befchäftigt waren, konnten 
eine gewifle Eloquenz nicht entbehren, die immer noch bei den 
Sophiften erworben wurde; und wirklich widmeten fich die meiften 
Schüler der Gazäer der juriftifchen Laufbahn. Einen inneren 
Grewinn brachten freilich diefe Dienfte der Sophiftik nicht, die in 
ihrer Blütezeit gewöhnt war, auf alle Verhältnifle neben ihr gering- 
fchätzig herabzublicken, als die Königin, zu der fich die anderen 
Wiflenfchaften als Dienerinnen verhielten; jetzt wurden umgekehrt 
ihre Vertreter von ihren früheren Schülern, die es «weiter gebracht» 
hatten, fehr häufig mit Hochmut oder ebenfo verletzender Herab- 
laflung behandelt, worüber fich Pbokop in seinen Briefen vielfach 
beklagt*. Doch fehlte es der Sophiftik nicht an einem dankbaren 
Publikum ^ 

So veranlaßte Bedürfnis und Neigung auch die Stadtgemeinde, 
Stellung zu ihr zu nehmen. Nach Analogie der Verhältnifle in 
andern Städten müflen wohl auch in Gaza Ausnahmegefetze den 
Sophiften gewifle Rechte gewährleiftet haben. Und in der That 



» ChB 123. 

2 ChB 80, 11. 

» ChB 42 'und fonft. Vgl. Rohde, Gr. Roman S. 476 f. 

* Z. B. B 70, 75. 

• PB 85. 



.isif:.-"»>. 



— 6 — 

finden fich bei den Gazäem Andeutungen, welche dies ficher be- 
ftätigen^. Auch durch ein gewifles Herkommen mehr äußerlicher 
Art bildeten die Sophiften in Gaza einen gefchlofleaen Stand"*« 

Wenn von ihren perionlichen Beziehungen zu einander jetzt 
nur wenig mehr ermittelt werden kann, fo tragen doch ihre wenn 
auch spärlichen Refte durchaus den Stempel naher Verwandtfchaft 
untereinander, wie fich aus einer großen Zahl von Einzelheiten er- 
giebt. Bei allen diefelben Litteraturzweige, z. B. die Ix^pÄostc, die 
gleichen Stoffe; fogar Profa und Poefie zeigen bei aller Rückficht 
der letzteren auf Nonnus eine frappante Ähnlichkeit in rhetorifcher 
Hinficht. Alfo fall alle geiftigen Beftrebungen in Gaza mußten 
fich wie ehemals in ganz Griechenland den Einfluß der Rhetorik 
gefallen lafien. 

Aus ähnlichen Verhältniflen hervorgegangen wie die zweite 
Sophillik, fpiegelt diefes Treiben in Gaza jene im kleinen, aber 
in fafl allen Einzelheiten wieder, wie man unter anderem aus 
Prokop erficht (B 69, 85), wo der Sophift in ergötzlicher Weife 
feinem Bruder Zacharias vorhält, mit welchen Komplimenten er 
von ihm und ähnlich Denkenden beehrt zu werden pflegte. 

Wie die Sophiften früherer Zeit teilten die Gazäer ihre öffent- 
liche Thätigkeit in eigentlichen Unterricht und rhetorifche Vorträge'. 
An der Hand beftimmter klaffifcher Mufterwerke und mit allem 
Rüftzeug grammatifcher und rhetorifcher Art, teils ererbtem, teils 
felbftgefchaffenem, verfehen, führten fie ihre Schüler, die aus den 



^ PB 109: . . . ol Yotp itap' 4j^Iv XoYaSe? ^^^ioiioLZi xotv({) x^i^v \i.t*^ioxfiy 
&5toüotv apyYjv ^«fS'.ov ^TCtveooat irpötYfia, tcXoiov äieXl? otfrjpeotov \i.oi xopiqY'tjaat 
8ovdfji.evov' alxoöot 8e xal «aXata? oovxd^et? ßsßaiü)8"?ivat tot«; hiaht^oLikivoiq %aX 
t]/tX7]V jJLSTa^elvat icpo(;Y|Yopiav. 

2 Choricius ging ins Theater Tcplv et; natSsotd; eYYpa^'nvat (ChRP 213, 14; 
dazu Anna. 9); jetzt meidet er es v6[jlov cpüXdtTmv, Sv eO-Tjxev 4j oüv-rjö-eca Tot<; 
T-jSs iraiSeoeiv iTTixetpoüotv (235, 12). 

3 ChB 4, 12 ff.: Aoo y^P ovicov ot; äpeiTj ßaoaviietai oo^totoö, to5 te 
TtaxaTCXTjTTeiv xd ^eaxpa ouveoet X6yü>v v.ol\ xdXXet, xoö xe xou; vioü? |i.ooxa* 
YüiYsiv xolq xmv ap^ttiüiv öpYiot? .... 



— 7 — 

entfernteften Gegenden in Gaza zufammenftrömten^, in die Kunft 
der Beredfamkeit ein, welche dem Fachftudium vorauszugehen 
pflegte. Aber nicht blos damit, auch mit der Kunft, gut und 
glücklich zu leben^, mit der «'ftXoao<pta», die fchon Isokrates zu 
lehren behauptete, beglückten fie ihre Zöglinge; He nennen fich 
geradezu Philofophen^. Aber wie müßte man die Philofophie diefer 
Spätlinge nennen, wenn Lucian fchon die feiner zeitgenöfßfchen 
Sophiften aoay^^ ti xal ajtoSpov siScoXov der wahren Philofophie 
nannte? Sie befteht denn auch faft einzig in den zahllofen, oft 
recht trivialen Gnomen, die felbft nicht einmal um ihres Inhaltes 
willen, fondern als ein von der Rhetorik vorgefchriebener Schmuck 
eingeftreut find. 

Die Hauptleiftung auch noch der Gazäer befteht in den öffent- 
lichen Deklamationen, woher die große Bedeutung der Fefte be- 
greiflich wird. An ihnen trugen de vor einem redeliebenden 
Publikum oder vor ihren Schülern, bald forgfältig vorbereitet, bald 
aus dem Stegreif^, bald aus eigenem Antrieb, bald im Auftrag 
der Bürgerfchaft, Lobreden auf den Kaifer oder auf andere hoch- 
ftehenden Perfonen in Kirche und Staat vor; oder fie ehrten ihre 



* AB 18: &XX' eoYe rYjt; 6[xetepa<; eöcpcüvia?, hC 4]v tü>v 'A^Yjvattov ol ical- 
8e<; Oü napÖL täv -rcatepcDV napdi Zh xuiv Sopwv axttxtf siv äjicöot [xavO-dvetv .... 
irap' •fijj.tv x-yjv &xaSYj[jL£tav xal xh Aoxeiov eivat vojJLifovxe?* e^w Y°^^ lxav&? 
I^tt) icap' öpiÄv x^? &p.oißa<;, el x&p.^ TcpoYovov 8t' 6|jLa? qtooootv ^'Icove? xal xyj<; 
lpL7)€ ^'ü/Yji; xa<; elxova? xa^apdi«; ^ecopoövxe«; 4]8yj xal xoö ocupiaxo? xb slhoq 

* ChB 18; Toü? «ptXooocptp ßttü ypwpilvoü? ev äxpi-J 8üaxoXta(; Sicco? 
«pipovxat 'd-e(upü). 'IBkuxt^ |jlIv y«P ^appiaxov eoxü) Xütcy]? 6 )^p6vo?' 6 8e .8ta 
[i.o6o7|? IX^wv xal ^etü)v YSi>odjj.svo(; dxooajJtdxtov, jiy] piot xotaoxYjv ^epaweiav 
itvafjLev^xu). Aet fdp X7j(; laxpeta? xou /povoo xd xoö XoYtopLoö cpdpjxaxa irpo- 
7]Y'^<3ao^at* ^ xt icXIov 4]jj.iv ol Xoyoi SwpYjoovxai ; xoö hk xo^P^^ Kovoöfxev, xd(; 
xwv icaXai(uv lx|xav^dvovxs<; x6)^as ; o& y^^P ^^^ '^^^ XP°^®^ dvoVYjxa SairavuijAev, 
ÄXX' 8it(«?, otpiat, XY]V xe aXX*/]v Ixelö-ev wcpiXstav SpetJ^wp^e^«? ^al, xotoüxoü 
"oapißdvxo? xaipoo, irpo<; avSpa? toa Tceirov^oxa? 4jfj.lv ^ TCtxp6xspa Tcd^Yj xöv voöv 
dva<pepovxe?, oSxw? otatü[j.ev ^aov. Ähnliches öfter, z. B. PB 76, 38. 

^ Aß 19 : ^ Oü cptXooocpoövxt xö irdö-o? ßapüxaxov ; 

* ChB 24, 2 u. fonft; JA 57. 



•.>. - rr."! 



— 8 — 

Freunde und Bekannten mit Hochzeits- und Grabreden, deklamierten 
ihre fogenannten \ukitoLi über die bei allen Sophiften üblichen 
Themen; dann verfaßten fie StYjYTjjjLaTa, -^i^oTcoitat, Ixypdaetc, natür- 
lich auch für den Vortrag, endlich zierliche Briefe an ihre Bekannten 
und Freunde. 

Damit war jedoch die Thätigkeit der Gazäer nicht erfchöpft. 
Einige von ihnen belaßen eine nicht zu verachtende Vielfeitigkeit, 
und wir würden ihnen Unrecht thun, wollten wir darin nur 
fophiftifche Prahlerei und Oberflächlichkeit vermuten. Mag man 
die Art naturgefchichtlicher Befchäftigung, wie fie uns hier ent- 
gegentritt, nicht befonders hochhalten, fo verdient doch ihre theo- 
logifche Thätigkeit, der darin aufgewendete Fleiß Anerkennung. 
Wenn man die rhetorifchen Schriften der Gazäer in Betracht zieht, 
die mehr einer heidnifchen als chriftlichen Fedör entfloflen zu fein 
fcheinen, fo kann man erftaunt fein, diefelben Schriftfteller als 
Kommentatoren der heiligen Schrift oder als Apologeten gegen 
das Heidentum anzutreffen. Man könnte nun hierin gerade die 
echtellen Sophilten wieder erkennen wollen, welche die entgegen- 
gefetzteften Anflehten mit gleichem Eifer und gleichem Erfolg zu 
vertreten für eine Hauptleifliung hielten. Dies ifli jedoch im vor- 
liegenden Falle anders. Die theologifchen Schriften haben die 
Gazäer um ihres Inhaltes willen mit Ernfl} und innerer Überzeugung 
gefchrieben, die rhetorifchen flnd um der Form willen da, der 
heidnifche Inhalt ifli durchaus Nebenfache und nur deshalb feil- 
gehalten, weil er unlöslich mit der Form verwachfen war, weil 
diefe fleh nicht ohne weiteres einem ganz entgegengefetzten Stoße 
anpaflen ließ. 

Über die perionlichen Verhältnifle der Gazäer fließen die 
Nachrichten zu fpärlich, als daß man fleh von der Zahl der So- 
phiflien in diefer Stadt, von dem Zufammenhang der Einzelnen 
untereinander, der relativen Bedeutung derfelben ein voUfländiges 
Bild machen könnte. Eine einzige läßt eine Kenntnis ihres Autors > 
von einem fchulmäßigen Zufammenhang der Gazäer vermuten; 



— 9 — 

fie findet fich als Scholion zur l'xypaotc des Johannes von Gaza 
(JA 12) und lautet: i^ TTöXtg aoTTj ^iXöfxoooo? "^v xal Trspl toöc Xö- 
Yooc sk äxpov ioyoXaxola* lXXÖYt(Xot za(yzri<; t*^? ttöXswc 'Iüdävvyjc, 
IIpoxÖTrioc, Tt(i-öä-£oc 6 Ypa(|)ac ^spl Ctpwv 'IvStxwv xal ol täv *Ava- 
xpsovTtxöv icoiYjTal Stdyopot. Aber auch diefe Nachricht ift fehr 
unvollftändig und ungenau, fonA hätte der Scholiaft den Prokop 
nicht ohne feinen Schüler Choricius genannt, oder, da er doch 
keine zeitliche Reihenfolge beabflchtigt zu haben fcheint, Johannes 
nicht von den übrigen Anakreontikern trennen dürfen, wenn er 
nicht etwa wußte, dai3 auch Prokop und Timotheüs fich mit diefen 
Spielereien befaßten. Zweifellos ift nach anderen Nachrichten 
Prokop von den uns bekannten der bedeutendfte Sophift Gazas 
und mag deshalb an die Spitze treten, da die Lebenszeit nicht 
beftimmt für alle zu ermitteln ift und für unfern Zweck eine 
chronologifche Einteilung überhaupt nicht praktifch erfcheint. 



Prokopius, 

über Prokopius geben Photiüs^ und Suidas einiges; mehr 
bieten feine eigenen Schriften und die Grabrede, welche ihm fein 
Schüler Choricius gehalten hat. 

Seine Blüte fällt unter die Regierung des Kaifers Anaftafius 
(491 — 518), wie ein noch erhaltenes Enkomion, das der Gazäer 
bei der Errichtung des kaiferlichen Standbildes in Gaza auf Ana- 
ftafius hielt, zur Genüge beweift. Die Rede fällt nach 507, in 
welchem Jahre der Kaifer die fogenannte lange Mauer zwifchen 
dem Pontus Euxinus und der Propontis vollendete (PA 510, 7 ff.), 
aber auch nicht wohl hinter 515, das Todesjahr der Kaiferin Ari- 
adne; fonft hätte Prokop ficher davon gefprochen, zumal er an 
mehreren Stellen von der Kaiferin redet. Er ftarb {i.7]8^;r(o 0(p65pa 

1 Cod. 160 u. 206. 



} 

I 



«• 



— 10 — 

•]fTf)pdoa<;^ etwa 62/3 Jahre alt, wenn man den Worten des Cho- 
Ricius* glauben darf, der ihn im gleichen Alter mit Demosthenes 
fterben läßt. Rohde beflimmt diefe Zeit durch folgende Berech- 
nung annähernd auf die Jahre 465 — 528: Den Pkokop vor 526 
fterben zu laflen, widerrät die (JiovcpSta 'AvTto/eia<;, die dreimal in dem 
Lexikon irspl aovtdtSso)^ in Bekkers Änecd, graec,^ zitiert wird. Diefe 
geht, nach dem Inhalt der Fragmente, ganz zweifellos auf einen 
Zufammenfturz von Antiochia, fehr wahrfcheinlich durch ein Erd- 
beben. Da dies zur Zeit des Prokop gefchehen fein muß, fo kann 
damit kaum das von 457 oder 458 gemeint fein; es läßt fich 
alfo nur an das Erdbeben von 526 denken (eher .als an das vom 
Jahre 528*). 

Er ftammte von wenig begüterten Eltern (PB 139), die jedoch 
bemüht waren, ihren Kindern eine treffliche Erziehung und guten 
Unterricht zu teil werden zu laffen. Zwei feiner Brüder brachten 
es zu angefeheneren und einträglicheren Ämtern als er felbft. 
Beide finden wir eine Zeit lang in einflußreicher Stellung am Hofe, 
bzw. bei der oberften Kirchenbehörde zu Konftantinopel (B 19). 
Der eine von ihnen, Zacharias, war wohl vorher bei dem Juriften 
DiODORUS gewefen und hatte deflen Wohlthaten genoffen (B 77); 
fpäter befindet er fich in Rhodus als hoher Beamter^ und Rhetor 
B 51, 52). Die andern Kinder der ziemlich zahlreichen Familie 
find hier von geringerem Intereffe (B 74, 161, 65; ChB 16, 9 ff.). 
Prokop felbft, früh feines Vaters beraubt (ChB 3, 3), eilte, im 
Befitze glücklicher Naturanlagen, bald allen feinen Altersgenoffen 
voran (ChB 3 f.) und befiegte, eben erft unter die Rhetoren ein- 



* ChB 14, 10; 21, 16; 4]8y] tw y**!?^ xevcocpoxa nennt ihn Choriciüs 
B 8, 14 wohl nur hyperbolifch, um der Wirkung willen. 

* ChB 22, J8: 'A«Y]X'6'e xal ArjfjLooO-ivYj? x^v aoTTjv tä te^veÄTi ßeßtu)- 

8 Vgl. unten S. 20. 

* Über beide f. K. 0. Müller, Antiq. Antioch, S, 16. 

^ PB 162: Stxaof^v ^pö-öv xal ap)^ovTa Eixatov xal 6 xi oejxvöv ivopiafovTe^. 
Vgl. B 62, 82, 126. 



— 11 — 

gereiht^, in Alexanäria, wo er fich Studierens halber aufhielt, im 
rednerifchen Wettkampf einen andern Sophiften, der fchon lange 
diefe Kunft übte^. Lehrer der Rhetorik wurde er in fehr jungen 
Jahren, etwa 18 — 20 Jahre alt, alfo etwa 484*. Auch fein fpäteres 
Leben ging auf in ftändigem Studium (ChB 8, 11 ff.). Selbft bei 
feinem frugalen (ChB 12, 5 ff. ; PB 42) Mahle fuchte er, wenn feine 
Freunde um ihn verfammelt waren, einen edleren Genuß in ge- 
lehrten und anmutigen Unterhaltungen (ChB 12). Bald erlangte 
er fölches Anfehen, daß Antiochia, Tyrus und Caefarea ihn durch 
glänzende Anerbietungen zu gewinnen fuchten (ChB 6 f.). Indeß 
konnte ihn kein Verfprechen dauernd von Gaza fernhalten (vgl. 
PB 25), fondern Anhänglichkeit und Liebe zur Heimat zogen ihn 
nach kurzem Aufenthalt in Caefarea (ChB 6 f.), Pamphylien (B 80) 
und vielleicht, bei Gelegenheit einer Gefandtfchaft, in Konflantinopel 
(B 83) dorthin zurück, wo er, geachtet und geliebt von feinen 
Mitbürgern (ChB 10), als gefeierter Redner (B 49, 85, 93) und 
Lehrer* feine Tage verlebte, während er mit fernen Schülern und 
andern Gelehrten, Freunden und Gegnern durch einen lebhaften 
Briefwechfel in Verbindung blieb. 

Aus den umfangreichen Reften diefes fchriftlichen Verkehrs 
erhalten wir intereffante Auffchlüffe über Pbokops Anfehen als 
Lehrer, über fein und feiner Freunde gelehrtes Treiben und über- 
haupt über die Perfonen und Örtlichkeiten, zu denen der Ruf der 
gazäifchen Schule drangt. Selbft wenn diefe Briefe bloß Probe- 
ftücke wären, die Prokop für feine Schüler verfaßt hätte, fo würden 
fie inhaltlich nicht wertlos werden, fondern immer noch wirkliche 
Verhältniffe abfpiegeln. Aber die Gründe, welche Westermann® 



* ChB 4, 1: ^yi\i.aL <^h xal vetuv x°P^*S atjx^v SieSl^a'^o 'tot<S '^a ffYjxopwv 

* B 141: J^voo? To<30ütou(; hi l\i.l irapovxa^ .... 
» Vgl. oben S. 3 ff. 

* De epist. gr, comm. L p. 13. 



U. 



— 12 — 

für diefe Anficht vorbringt, find nichts weniger als ftichhaltig. Wenii 
er nämlich fagt «eas de minutis rebus ac de nihüo plerumque solis 
urhanitatis formulis agm-e», fo gilt diefes in noch höherem Maße 
von fehr vielen Briefen des Libanius, die der Gelehrte ausdrück- 
lich als nicht fingiert anerkennt; man lefe nur B 2, 6, 8, 102, 
845, 350, um aus einer großen Maffe gänzlich inhaltslofer Epifteln 
einige beliebige herauszuheben. lA der von Westermann an- 
geführte Grund nicht beweifend, fo laflen fich gegen feine Meinung 
eine Reihe gewichtiger Gründe anführen. Daß fich hiftorifche. 
Perfonen unter den Adreflaten befinden, könnte man fo erklären, 
daß die Sophiften eben auch für fingierte Briefe die Namen von 
angefeheneren Männern gebraucht hätten. Gegen Westermann 
fpricht aber ficher das unverkennbare Gepräge der Individualität 
der einzelnen Briefe, die allen fingierten Briefen der Sophiften 
abgeht und am wenigften von einem Prokop von Gaza fo genau 
getroffen und fo folgerichtig feftgehalten worden wäre. Ohne wirk- 
liche Perfonen vor Augen zu haben, hätte Prokop nicht fo ver- 
fchiedene Töne verfucht, oder fein Streben, durch diefelben die 
verfchiedenen Charaktere der Empfanger oder feine eigene Stellung 
zu ihnen zum Ausdruck zu bringen, hätte Karrikaturen hervor- 
gebracht. Ein ganz untrüglicher Beweis für die Wirklichkeit der 
in den Briefen berührten Verhältnifle liegt in der Wahrheit der 
Empfindung des Prokop, vorzüglich wenn er bitter oder ironifch 
wird (z. B. B 72). Ein weiterer Beweis gegen die Anficht Wester- 
MANNS liegt endlich in der fingierten Briefen ganz fremden Er- 
fcheinung, daß die verfchiedenen Adreflaten einer langen Reihe 
von Briefen, wie aus dem folgenden erfichtlich wird, in beftimmten 
verwandtfchaftlichen oder freundfchaftlichen Beziehungen flehen, 
die ficher nicht aus der Phantafie des Gazäers hervorgegangen find, 
fondem in Wirklichkeit beflanden haben, wie die einfache Natürlich- 
keit der Verhältnifle zeigt. Daß fafl keiner der Adreflaten auch 
anderweitig ficher genannt ifl, thut der Sache keinen Eintrag. 
Über die bedeutendflen derfelben läßt fich etwa folgendes feftftellen. 



— 13 — 

Der latrofophift Gessiüs in Pbokops Briefen (38, 68, 123, 
134) läßt fich mit ziemlicher Sicherheit mit dem angefehenen 
Arzt und Lehrer gleichen Namens in Alexandria identifizieren, 
von dem Süidas in einem längeren aus Damasciüs genommenen 
Artikel (v. Ti(yGio<;) fpricht, und als deflen Heimat von Stephanus 
von Byzanz (v. F^a) die Stadt Petra in Arabien genannt ift^. 
Mit ihm verkehrte Äneas, der Landsmann des Prokop (AB 19, 20), 
er fpielt in dem Dialog «Ammonius» des Zacharias von Mitylene 
eine Rolle ^. Dagegen hat der in einigen Epigrammen verhöhnte 
Gessiüs nichts zu thun mit dem unfrigen, wie Jakobs hervorhebt*. 

Dem latrofophiften empfiehlt Prokop (68) feinen Schüler (123) 
DoROTHEüs,^ welcher, der Laufbahn feines Lehrers folgend, um 
deffen Reden bittet (78). Er könnte der bei Äneas (B. 21) vor- 
kommende Presbyter Dorotheus fein, welcher fich von der «yiXo- 
oof Ca» zum Prießertum wandte. Ob er mit einem der zahlreicheu 
Homonymen jener Zeit, etwa mit dem von Cave* zum Jahre 502 
erwähnten Mönch aus Alexandria, der zur Verteidigung der Synode 
von Chalcedon eine weitläufige «TpaYtpSta»^ fchrieb®, identifch ifk, 
muß dahingeftellt bleiben. 

Eine zweite, größere Gruppe von Bekannten des Prokop findet 
fich ebenfalls zum großen Teil in Alexandria. Von einem Petrus, 
für den Prokop den Rechtsbeiftand des Ilafius verlangte (14), dem 
Gazäer empfohlen (142), wurde Epiphanius Schüler desfelben, 
wandte fich dann der Rechtswiflenfchaft zu und ift fpäter in 



* Vgl. befonders PB 123: oe tcoXov stcI 0T6|xaT0? t^y^^ ***^ eovoov, o)? 
&YOt^^v, (ü? "^Xiiyxzfi %al /stpl töv 'AaxXiriiitov iceptxstpievov, xal 2xt h^ xö r?)^ 
laxptx^? aöoTTipöv al T-tj*; 6pLexepa? '^Xdixx'i\<; TCapejJLO^TiaavTO )^dptxe? und Süidas: 
xal [JL^Ya vXio^ sT/J^v, ob p,6vov laxptxYj? ivexa, xyj? xe StSaoxaXix'?]? xal x-yj? 
hp^&uho^j äXXa xal xri<; diraoT]? «atSeta?. 

2 Vgl. noch Fabric. hibh gr. vol. XIII. 170. 
8 Änthol. gr. X. 232, 

* Hist. liU. eccl. I. 492. 

^ Auch TiMOTHEus von Gaza fchrieb eine folche «xpaY^Sta». Vgl. 
unten S. 80. 

« Theophan. Chron. z. J. 502, S. 131. 



— 14 — 

Alexandria thätig. Durch feinen Hochmut (70) und infolge der 
Befchuldigungen feitens eines Kollegen Strategius (122) zog er 
fich das Mißfallen feines Lehrers zu. Strategius lieh dem Sosi- 
ANus, der felbft wieder Sachwalter war (89, 155), feine Dienfte 
(89). Dem Sosianus empfahl Prokop deflen Kollegen Diodorus (71), 
wohl denfelben, an welchen der 7. und 22. Brief des Äneas ge- 
richtet ift. Prokop war früher mit Diodor in Ägypten gewefen 
(34) und nahm fpäter felbft deflen Dienfte vor Gericht in Anfpruch 
(138). DiODOR war mit dem Sophiften und feiner Familie (35, 
39; 77) eng befreundet und ftammte wahrfcheinlich auch aus 
Gaza (37, 106), welches er vor feinen Gegnern räumte; von hier 
ging er nach Caefarea (75). Er fcheint ein trefflicher Redner (12, 37) 
und tüchtiger Anwalt (64, 72, 104, 126) gewefen zu fein. Prokop 
empfiehlt ihm feinen Schüler und Verwandten Orion (64), der 
unter anderm auch in Berytus die Rechte ftudierte (117, 153) und 
in Konftantinopel Verwendung fand. 

Ein fchon älterer Beamter ift Silanüs (163), mit dem zufammen 
Prokop in Alexandria ftudierte. Die Verwandten desfelben, Maca- 
Rius (120) und ZosiMUS, waren Schüler des Prokop und ergriffen 
die Laufbahn des Silanus (29, 151). In Alexandria befand fich 
auch der Rhetor Agapetus, dem Prokop feine Reden zur Beur- 
teilung fchickte (112). Ob es der gleichnamige Diaconus ift, wel- 
cher die fogenannte oyiSfi ßaoiXtXYj an Juftinian verfaßte, ift trotz 
Nicolai (III, 230) nicht zu entfcheiden. Schon die Zeit fcheint 
zu widerfprechen, infofern er in dem Briefe des Prokop als gereifter 
Mann und achtbarer Kritiker erfcheint. Dem Kreis der Gazäer 
fcheint er nahe zu ftehen in der traurigen Gedankenarmut, die fich 
als roter Faden durch das Schriftchen zieht; aber diefe ift in jener 
Zeit allgemein. An Äneas erinnert der nicht feiten hervortretende, 
mit dem falbungsvoUen Lehrton fonderbar kontraftierende rhetorifche 
Putz, befonders die ungefchlachte Verwendung von Figuren (z. B. 
c. 5, 7, 8, 18, 20), die beabfichtigte oder nachläffige Wiederholung 
desfelben Wortes (z. B. c. 24), das geiftlofe Witzeln, die bequeme 



— 15 — 

Verbindung der Sätze durch xal und ähnliche Wörter an Stelle 
von Periodenbildung und manches andere. 

Der Rhetor Stephanüs (18, 114) ift anfangs auch in Alexandria, 
fpäter in Antiochia (103); er ift vielleicht identifch mit dem gleich- 
namigen Freund des Äneas, den diefer früher als Sophift in 
Ägypten traf, jetzt als Presbyter bezeichnet^. 

Endlich finden wir noch in diefer Stadt Johannes als 
Studierenden (154), der fpäter in Caefarea im Gerichte fitzt, — 
Pankratius, einen Dichter oder Rhetor oder beides zugleich (133), 
und den Arzt Antiochüs (124)*. 

Bis in die fädlicheren Teile von Ägypten* kam Hieron ymus aus 
Gaza oder aus Elufa, ein Rhetor, mit dem Prokop auf gefpanntem 
Fui3e lebte (111, 116). 

Alypüs, Stegüs und Hierius Romaicüs find in Antiochia (66), 
nicht, wie Nicolai meint, in Konftantinopel. Aus dem Beinamen 
des Hierius darf man fchlieJßen, daß er identifch ift mit dem 
Lehrer der lateinifchen Sprache in Gaza, den Prokop dem Anwalt 
Eddaimon als Klient empfiehlt. 

Der Jurift Thomas, angeftellt in Caefarea und mit Prokop 
wohl feit deflen dortigem Aufenthalt befreundet, kaip von da na^h 
Gaza (17). Vielleicht läßt er fich mit dem gleichnamigen Patricius 
und Logotheta bei Brünck* in Beziehung fetzen. 

Hermeas, welcher dem Schluß des 129. Briefes zufolge aus 
Gaza fein könnte, ift Sophift in Berytus: apsr^(; xal Xöycov Tcotoö- 
jxevoc 9povTt8a. 

Ohne jegliche Andeutung des Aufenthalts bietet fich eine 
weitere Gruppe, die für Vermutungen den weiteflien Spielraum 
läßt. Megas, ein Schüler des Prokop (13, 14, 15, 50, 83), über- 
bringt feinem Vater Eusebius einen Brief. Letzterer könnte ein 



» Vgl. PB lOÖ, AB 15, auch Phot. cod. 192 B. 

2 Vgl. Fabric. hibl gr. X«. 506. XIII K 64. 

3 Wohnt B 134 in Hermupolis, wohl in der Thebais. 
* Änalecta III. 124. 



• . "j 



-■^ 



- 16 - 

Bruder des Elias fein {24,- 25). Außerdem möchte man i|in für 
den gleichnamigen Sophiften bei Photius^ und Süidas^ halten, 
da bei Prokop auch ein Palladius angeredet und XoYtc&Tato^ ge- 
nannt wird ; er foll als 8iY,(xozffi für die Hinterbliebenen des Sach- 
walters IsiDOR eintreten (67), Palladius überbringt nun dem 
Prokop einen Brief von MusÄus (48), den fchon Salmasius* mit 
dem Dichter von «Hero und Leander» zuiammengebrapht hat. 
Hierüber äußert fich Rohde* folgendermaßen: «Verlockend klingt 
Passows Meinung (MusÄus S. 97 f ), wonach der Dichter MusÄus 
identifch wäre mit dem gleichnamigen Freund des Rhetors Prokop 
von Gaza, an den deflen 48. und 60. Brief gerichtet find, und 
der zumal nach dem zweiten diefer Briefe als (iooootcöXoc erfcheint. 
Es fcheint aber doch, als ob der Grammatiker und Dichter MusÄus 
nicht unbedeutend älter fein müßte als Prokop». Während Rohde 
alfo die Möglichkeit von Passows Vermutung nicht ausfchließt, 
glaubt A, Ludwich ^, welcher bei feiner Berechnung die Abhängigkeit 
des Proclus in feinem Hjonnus auf Athene von dem Dichter des 
Epyllion Hero und Leander ins Auge faßt, keineswegs daran. Er 
rückt das Epyllion «mindeAens bis gegen die Mitte des 5. Jahr- 
hunderts, wenn nicht höher hinauf». Aber feine Vorausfetzungen 
ergeben gar nicht mit Notwendigkeit eine fo frühe Zeit: «Proklos 
lebte zwifchen 412 und 485 nach Chriftus: vor 485 alfo muß 
der Hymnus auf Athene und vor diefem das Epyllion von Hero 
und Leander gedichtet fein». Das ill alles. Prokop ftarb in 
hohem Alter, etwa 526, reicht alfo bis etwa 465 hinauf. Er kann 
alfo in fehr frühem Alter ^ mit dem hochbetagten MusÄus verkehrt 



^ Codd. 133 — 136: 'AveYVwo^fjoav IlaXXaStoo ootptoToö jieXItat Bta^popox, 
xal 'A^^oytoo %al E5oeßtoo oo^iaxoü 'AXe^av Spew?* &XXa %al täv äXXü>v 6 
IlaXXdSio? xatöi naoav äpeT-i^v T-y^v Iv Xo^ot? stcI irXeToxov Stevfjvox^^« 

2 E5oeßto?, 'Apdcßio? oocptOTYjg ävxtoocptoxeüoa? xal ahzb^ 06XittaV(j>. 

8 S. Fabric. I. 126. 

* Griech. Rom. 472, 2. 

» Neue Jahrb. f. Philol. und Päd., Bd. 133, S. 246 ff. 

« Vgl. ChB 4, 1 ff. u. oben S. 11. 



i 



~ 17 — 

haben, um fo mehr, als nichts zwingt, deflen Ableben unmittelbar 
nach der Abfaflung des Gedichtes anzufetzen. Und in der That 
findet man, daß befonders der 60. Brief in dem Tone gehalten 
ift, den ein folcher Altersunterfehied bedingt. Prokop drückt hier 
feine Achtung, Bewunderung und Verehrung in einer Weife aus, 
die man bei ihm fonft nicht findet. Dazu kommt, daß R. Holland^, 
welcher den Dichter von «Hero und Leander» mit dem unbekannten 
Verfafler des Gedichtes über Alpheios und Arethufa identificieren 
möchte, nachweiß, daß Prokop jedenfalls letzteres Gedicht gekannt 
habe und wohl mit defien Verfafier befreundet gewefen fei. So 
könnte man, eine Hypothefe mit der andern verbindend, den un- 
bekannten Rhetor und Dichter in Alexandria fuchen. 

Zuletzt mögen unter den Schülern des Prokop noch genannt 
werden Nilus, der mit den Reden feines Lehrers Handel trieb (159) 
und endlich der Welt entfagte, — Sabinus (115), ein wenig ehren- 
hafter Richter (139), den Nicolai zum Bruder des prcefectus prce- 
torio Sergius macht, was wohl zeitlich unmöglich ift, — Sozo- 
MENÜS, vielleicht ein Nachkomme des Hermias Sozomenus aus 
Bethelia bei Gaza^. 

Die übrigen Adrefiaten verdienen keine Beachtung. 

An die bedeutendften Schüler des Prokop, an Choricius und 
Marcianus, finden fich keine Briefe, wohl weil fie meift in Gaza 
waren oder mit der Herausgabe der Briefe in Beziehung ftanden. 
Von jenem ift im folgenden genauer zu i^rechen, diefer unter- 
fchrieb als Bifchof feiner Vaterftadt das Konzil von Jerufalem 
(a. 536)^. Er zeichnete fich befonders aus durch eine ungemeine 
Bauluft; von ihm erhalten wir zum teil Kunde aus dem Munde 
des Choricius, der ihn mit zwei Lobreden und seine Mutter Maria 
mit einer Grabrede ehrte. 



* Commmt. phüol. ad Ribbeck. p. 413 f. 
T 2 Ceillier, hist, gen, des aut eccL XIIL 689 ff.; Valesiüs vit Sozom. ; 

,[| Phot. cod, 30. 



* SS, Concilia .... studio Labbei et Cossarth curante Coleti T, F, 

p, 1261; Gallandiüs hiU. XI, Prolegg, p, 21 /". 

Seitz, Die Schule vou Gaza. 2 



-. r^r - . .. .— ,^.^.*, ;:^j^, ..^.. ....- :iiiäuÄJT:i'::;TZnr77. ■ 



— 18 — 

Die erhaltenen Briefe und die Grabrede feines Schülers geben 
ein erfreuliches Bild von Prokop. Die Hauptzüge, welche hier 
zu Tage treten, find liebenswürdiges Interefle und Opferwilligkeit für 
feine Freunde und Landsleute und eine immerwährende Thätig- 
keit im praktifchen und gelehrten Leben. Mit gutem Recht nennt 
ihn Photiüs ytXÖTCoyov, das erkennen wir neben den andern Zeug- 
nüTen über ihn befonders aus feinen Schriften, die allerdings zum 
weitaus größten Teil theologifchen Inhalts find. 

Prokop war von Haus aus ernfterer Natur als feine meiften 
Kunftgenofien, und gewiß führte ihn ein inneres Bedürfnis zur 
Befchäftigung mit religiöfen und theologifchen Fragen^. Er hatte 
mit manchen feiner Zeitgenoflen und Freunde, von denen einige 
in fpäteren Jahren in den Priefler- oder Mönchsftand übertraten^, 
eine eigentümliche Neigung zur Frömmigkeit; dachte er doch daran, 
ebenfalls diefer fändigen Welt gänzlich zu entfagen (B 105). Frei- 
lich vermochte er in feinen theologifchen Schriften das «o/'^jJLa» des 
Sophiften nicht ganz abzulegen, was ihm fchon Photiüs* zum 
Vorwurf machte, wo er eine allerdings unvollftändige Aufzählung 
diefer Werke giebt. 

Was A. Mai* als Kommentar desfelben zum hohen Lied ver- 
öffentlichte, ift ficher nicht von ihm. Der Codex bietet den Name 
des Gazäers gar nicht ^. Andererfeits zeigt fchon eine oberflächliche 
Vergleichung mit den echten Kommentaren des Prokop die Un- 
richtigkeit der Vermutung des Herausgebers. Dazu tritt eine kurze 
Befchreibung des echten Kommentars von Cijrterius, dem Heraus- 
geber des Efaias-Kommentars ^, die auf nichts weniger als auf den 
von A. Mai edierten paßt. 




1 ChB 11, 6; 109. — Flügge, Gefchichte der theol. Wilfenfch. Halle 
1797, n. 220 flf.; Fabr. bibl. gr.; Cave 504. 

2 Z. B. NiLus, r. oben S. 17. 

8 Cod. 206: t-yj? IJfjYVjxtxT]? 8taTOTCa>oea>5 e^et xi xal xo|j.cp6x8pov. 

* Class. auct. VI; vgl. Proöm. S. 7. 
» a. 0. S. 348. 

* prcof, IV a. 



— 19 — 

Cave ^ erwähnt unter den Aneedota des Prokop einen Kommen- 
tar zu den 12 kleinen Propheten, von dem Garneriüs eine latei- 
nifche Überfetzung machte, die jedoch, wie 6s fcheint^, nicht ge- 
druckt worden ift. 

Aus dem weitläufigen Kommentar zum Oktateuch find durch 
A. Mai^ die Scholien zu den 1.8 erften Kapiteln bekannt geworden. 
In der Einleitung giebt Prokop felbft die Grundfätze an, denen 
er bei der Herftellung feiner Kommentare folgte: zdL(; xaTaßeßXr^ji^- 
va(; Ix zm TcaTipwv xal zm aXX(ov bIq ttjv 6xt(Ätso)[ov IStj^tJo^k; 
oovsXs^dfjLsda, ki D;co(ivYj|JLdTa)v xal 5taydpö)v Xöycov zaibzai(; Ipavwd- 
[isvot. dXX' IttsI .... TTpöc TcX-^^o? äTTStpov T^[ilv IvTSö^sv zb O&Y" 
Ypa|JL|JLa TcapsTstveTo, oovstSov vöv ifpöc ji^tpov e&OTaX^«; ooveXsiv zrfj 
Ypa^Yjv. Diefen Kommentar überfetzte Conrad. Clauserüs 1555 
zu Zürich ins Lateinifche*. 

Die Scholien zu den vier Büchern der Könige und den zweien 
der Chronik gab heraus Jo. Meursius Lugd. 1620, den Komm, zu 
Efaias Jo. Curterius Par. 1580. 

Im cod. reg. 2436 liegt noch ein Komm., zu den Sprüch- 
wörtern begraben, deflen Anfang Montfauc. Palceogr. gr. S, 278 ff, 
veröflentlicht hat. 

Endlich fleht nach dem Berichte des Villoisson^ im cod. 
Marcian. 22 zu Venedig eine «I^yjyyjtixcöv IxXoywv knizo^ri sU töv 
'ExxXY]otaoT7]v inb ywv^«;^ TpiQYopioo Nöoot]?, xal Atovootoo 'AXe- 
^avSp^cöC, 'QptY^voix;, Eoa^p^oo, At8ö[JL0o, NetXoo xal 'OXopiTctoScbpoo, 
inedita, et doctissimo Fahricio prorsus ignota». 



1 Hist lit scripU. eccl, ed. Gen. 1740, J, 505. 

2 Cave a. O. 

3 Class. auct VL 

* S. auch Cave S. 605. 

6 Diatr. 27, 17, 

ö &tc6 «pü)V'?j(; ift hier auffallend gebraucht, da weder Prokop den Vor- 
trag eines der Genannten befuchen, noch überhaupt jemand alle diefe zum 
Teil zeitlich weit auseinander liegenden Theologen perfönlich kennen 

konnte. 

2* 



-r- . j.-«.- • - - ■■■"' ■■-- ^r^ -• ._ - ^_ -. . - ■ * *» 



' vtftih-iWJB' t'Tjhaai'i •-^T^'i-' '■ - - ' 4<v^<^ ->- - -- ' ' 



— 20 — 

Prokop befchränkte fich jedoch nicht auf die Erklärung der 
heiligen Schrift, fondern er trat auch als Vertheidiger feiner Religion 
auf. Ein hierher gehöriges Fragment ift von A. Mai^ veröffentlicht 
unter dem Titel: Ix toö bIq zol UpöxXoo ä-soXoYtxa xeydXaia avitppTj- 
OSÜDV üpoxojciOD FaSYjc 

Wie diefe zahlreichen dickleibigen Werke weniger Intereffe 
für uns haben, eben weil ihre formelle Seite mit der Sophiftik 
nichts zu thun hat, fo ift es um fo bedauerlicher, daß fo wenige 
Refte von den rhetorifchen Werken vorhanden oder bekannt find. 
Auch von den verlorenen find nur wenige Titel bekannt. Dazu 
gehören ein ßtßXtov oXov, oti/üdv '0[iy]ptxÄv (AeTaypdoetc ek TcotxiXag 
XoYcov ISbolq lx|ji8|Jiopf)(D[i^vat, at (xdXioTa ttjV toö av8pö(; Tcepl pTjTo- 
ptxijV 86va{JLtv xal (jlsX^ttjv Ixaval 7C£(pDxaatv a7raY7^)vXstv^. Ein zweites 
Werk erwähnt Curteriüs prcef. IV ol: ^Dicam etiam in GaUia, in 
reginae matris hihliotheca, reperiri progymnasmata Bhetorices huius (seil, 
Procopii^ nomine inscripia . . . .» Photius (cod. 160) fpricht, aber fchon 
etwas unbeftimmt, von Xöyoi ttoXXoI xal TravioSaTcoi^. Einige Titel verr 
lorener Reden finden fich in dem Lexikon Trepl ODVTd^söx; bei Bekker*, 
defien Verfafier eine befondere Vorliebe für Prokop an den Tag legt: 
(loycpSia 'Avuoxiac (S. 125, 26; 153, 21, 24), sk tov o(«)(ppova apxovxa 
(139, 20), lmTd(ptoc SaXaiJLtvtoo (133, 10; 135, 13), sie xöv Tdt(Aov toö 
MsXstCoo (169, 6); außerdem hielt er auf Marcianüs eine tstoede 
(ChB23); Megethiüs (PB 49) fpricht begeiftert von einem Epithaph'i 

Erhalten find unter feinem Namen zwei Reden, das Enkomion 
auf Anaflafins und die Mov(pSia st? t7]v a^iav Soyiav TTsooöaav ottö 
asiojioö; die letztere, herausgegeben von Iriarte^, ift ficher unecht^; 
jene veröffentlichte Villoisson'' und nach ihm Niebuhr*. 




» Class. auct. IV. 274 f, 

2 Phot. cod. 160. 

3 Vgl. auch ChB 5, 14 flf. 

* Anecd. gr. I. 

* Catal codd. Matrit. I. 264 ff. 

* Vgl. unten S. 76. 
7 Diatr. 28 ff. 

® Corp. scriptt. hist. Byz. I. 489 ff. 



— 21 — 

Endlich vermutet Bernhardy^ daß eine Reihe von Wörtern 
mit dem Namen Prokop von dem Gazäer flamme, weil fie in den 
Werken des Gefchichtfchreibers nicht vorkommen. 



Choricius. 

Der bedeutendfte der uns bekannten Schüler Prokops und deffen 
Nachfolger im Amte ift Choricius aus Gaza ^. Von feiner Lebenszeit 
laflen Qch aus den erhaltenen Reden einige Daten ermitteln, worüber 
mir RoHDE gütigft folgendes mitteilte: Die einigermaßen datier- 
baren Reden des Choricius laflen fich folgendermaßen gruppieren : 
1. Auf Prokop nach 526, etwa 528. 2. Die erfte Rede auf den 
Bifchof Marcianus mit der Befchreibung der Kirche des heiligen 
Sergius. 3. Auf Aratius und Stephanus, gehalten, wie Graux fehr 
wahrfcheinlich macht, nicht nach Juli 536 und vielleicht erft nach 
dem Winter 533. 4. Auf Summus; dies ift die jüngfte der vier 
genannten Reden, jedenfalls nach 535, wahrfcheinlich erft nach 
540. — Etwa zur gleichen Zeit ift die Rede etg tot toö ßaaiXdcog 
'loooTtvtavoö ßpot)[JLdXta gehalten, auf jeden Fall vor dem Tode der 
Kaiferin Theodora (geft. Ende Juni 548). 

Über die Zeit feines Todes läßt fich nur fagen, daß er in 
hohem Alter erfolgt ift*. Nach der damaligen Sitte feiner Lands- 
leute ftudierte er eine Zeit lang in Ägypten (B 122, 1), um dann 
fein übriges Leben in Gaza zuzubringen. 

Obgleich er mit Verzicht auf die Vielseitigkeit feines Meifters 
feine ganze Kraft der rhetorifchen Kunft widmete, errang er doch 
den Einfluß in der Schule nicht wie fein Lehrer; wenigftens hört 
man nach ihm von keiner Pflege derfelben mehr in Gaza. Da- 
gegen erreichte er ihn durch die Menge und übertraf ihn durch 



1 SuiD. II. 2003. 

2 S. ChB S. VII-X. 

8 ChB 184, 23: 1^0», irdXat jj.lv xal Y''1P? **^ «p^ovcp tpoxofjieyo^ 



W ^^^^^^^^^^^^^^^^^'"^''B'^VHEHHHHiHHtMaSähfLdEalZEdhwM^KV^'^^'^'S*' ■ " 



T-^r-^ .. ■ ...^ 



— 22 — 

die allerdings ungefunde Eleganz der rhetorifchen Schriften^. Eine 
große Zahl feiner Deklamationen ift veröffentlicht durch Boissonade*, 
Graüx^ und P^ÖRSTER*; von vielen anderen werden die Titel an- 
gegeben bei Iriarte I. 593 ff., jetzt von R. Fcerster ChJ^ 6 ff. 

Zwei von Boissonade unter den Titeln Xopixioo (isXstt] Tcat- 
SoxTÖvoc (S. 205) und üatpöxXoo itpb(; 'AxtXX^a [xsX^tyj (239) ed. 
Deklamationen gehören ficher nicht dem Choricius^. Manche 
Verfchiedenlieiten in der Wahl der Wörter, im ganzen Stil, be- 
fonders aber die größere Kühnheit und Künftlichkeit der Tropen 
und Figuren laffen darüber keinen Zweifel. Einige befonders auf- 
fallenden Beifpiele mögen hier Platz finden: 255, 8 7:pb(; aadßetav 

oTTOoxsXiCovtai; 251, 14 tT]V ^V(ja\i.yi\f kneo^po^inaLZo; 206 aoTT] (i^ 
7rp6<; t6 xotvöv süvota) zolq .... ^DYatdpac Atc^xtsivsv . . . . ; 270, 1 
toöc T^|JisTspot)C l8p<0Ta<; xapTuoöTat; dem Choricius ift auch die 
Irrifio B 234, 7 ff. fremd, die fich durch mehrere Sätze hindurch- 
zieht und befonders wirkfam wird durch die boshafte Wieder- 
holung der Worte des Gegners, die ftändige Apoftrophe an den- 
felben, die genaue und umftändliche Ausmalung und Befchreibung. 
Nur in einer diefer Reden findet fich ein wirklicher Klimax^. 
Doch es würde zu weit führen, alle derartigen Dinge aufzuzählen. 

Choricius' Schriften zeigen eine fklavifche Abhängigkeit von 
feinem Lehrer; er felbft macht fo wenig Hehl daraus, daß er fich 
deffen rühmt (B 2, 3; 109) "'. Seine Schriften fcheinen ein förm- 



1 S. Phot. cod. 160. 

* Choricii Gazcei orationes declamationes fragmenta. Paris. 1846, 

8 In Bevue de philologie, de litterature et dlmtoire ancienne X p, 55 ff, 
und 209 ff.; M^langes Graüx. 

* Hermes 17 p. 193 ff.; Index lect .... Vratisl. per aest. 1891 und per 
hiem. 1891—1892. 

^ S. ViLLois, Anecd. gr. p. 17 Anmerkung 2 und von Rohden De mundi 
miraculis Diss. Bonn. 1875, 8. 41. 

^ ChB 262, 11: oü xotvov icoXX& xal XapLicp^ ^aptCop-evo? BptOY]t8a täv 
hdipiuv (üvetxat, oote Si§u>3i |j.lv, 8i8u>ac hh xtj? eövTj? ewißdc;;, ooxe 7coo{i.iu>^ 
&Tto8t8oü^, Iv ÖKOVotat? $uo)^epaiveiv tcapYjxev. 

^ S. auch Phot. cod. 160. 



— 23 — 

lieber Abklatfch von denen des Prokop zu fein, wenn man betrachtet, 
wie viel allein aus der Rede auf Anaftafios herübergenommen ift ; 
abgefehen von allgemeineren, weniger faßbaren Zügen vergleiche 
man: PA 497, 14 Tcal {i^aXXov toö TrdO-otx; 6 täv (JisXXövtcov ^ößo«; 
IXÖTüSL* (p'^i^Ti Se iiQ ODX £&TDyY]c Tot? zm a7rdvT(öV Stdostev axod*;, 
Itc' SXkoiQ äXXa StTfjYOOji^vY), xal Trdvca Ssivd. -^v yap axoöstv uöXtv 
dXioxo(JLdv7)v, dp7:aCo[i.£VY]v £uSat[xovtav, IXaDvojiivac Y^valxac sie dodX- 
Ystav '?jvaYxaa(idvY]v, oßptCöii^vooc TraiSa^, alxtCo'JL^vYjy TroXidv, IXxo- 
[x^vYjv vsör/jta, xal irapiS-svooc aYOfJisvac, oo irpö<; soto/*^ TraordSa xal 
v6[iyiov s68ai[JLova .... Ttdvta y^^P ^pooxsito toötoic: ChB 31, 12 
oa Y<^P ^<3i^t Y^^^siav aYstv slpT^VTQV Iv liico^io^ 7roXs[JLOO. 'H y^P ^XtcIc 
slctoöoa TÖv XoYtOfJLÖv .... 7rapaxad7]|xdvY] xal oTdvooaa xal yoßspd*; 
AyaTüXdTTOooa ^aviaotac, Y*^po^^ ooSajiw*; eXsoöjievov, xöpyjv oßptCofJ'^v'iQV, 
IXxö{i.evov 1^ SooXetav xatSiov, aYOji^vTjv ix TraatotSoc Y^vatxa* TOtaöra 
TOiVDV IvetxoviCooaa t-g ^^o*/^, arp^yst ts xal yo^si . . . .; PA 491, 
20 : ChB 107 f.; 492, 22 : 16, 16 und fonft; 502,.10: 4, 12 und 
fonft; 512, 9 und 514, 16 : RP 64, 6; das Ende der Rede auf 
Anaftafius mit B 48 und RP 85. So weitgehende Benützung 
mochte bald bei manchen Schriften Zweifel über die Autorfchaft 
hervorrufen, und wirklich finden fich einige Ethopoiien unter den 
Schriften des Choriciüs, die in Bekkers Änecd. gr. dem Prokop 
zugefchrieben werden. Der wahre Sachverhalt läßt ßch fchwerlich 
mehr ermitteln. 



Aneas. 

Den Mittelpunkt eines zweiten Kreifes, der fich aber mit dem 
Prokops berührt, bildet Äneas von Gaza. Die ziemlich ausgiebigen 
Nachrichten über ihn finden fich faft ausfchließlich in feinen eigenen 
Schriften und können hier in wenige Sätze zufammengefaßt werden, 
da Wernsdorp (AD S. IX S,) fchon den forgfältigften Gebrauch 
von ihnen gemacht hat. 



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^-.gr.-»^*.^ i-aai-a^Y.?"""^--' ' ' * • -^ '^-:"-"-- .- 



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— 24 — 

Äneas nennt fich felbft (Dl f.; 19, 21) Schüler des Alexan- 
driners HiEROKLES, unter dem man, trotz der Bedenken einiger 
Gelehrten^, den um wenige Jahre älteren Zeitgenoflen des Proklus 
und Vorfteher der neuplatonifchen Schule der genannten Stadt zu 
verliehen hat. Dies wird durch die Übereinftimmung von Zeit 
und Ort wahrfcheinlich gemacht und beftätigt durch die eingehende 
Kenntnis des Neuplatonismus, als deflen Anhänger in einer für 
einen Chriften bedenklichen Weife er fich in feinem Dialog bis- 
weilen verrät, wie er in einer Handfchrift geradezu nXaTa)vixö(; ge- 
nannt wird. Aber dies giebt keineswegs die Berechtigung, ihn, 
wie viele Gelehrte thun, zur Zeit feines Aufenthaltes in Alexandria 
noch für einen Heiden zu halten. Chastel^ macht ihn infolge 
oberflächlichen Ausfehreibens des Baronius' oder des Gallandüs* 
gar zum Bifchof von Gaza, natürlich in Verwechfelung mit dem 
gleichnamigen Vorgänger des bekannteren Bifchofs Porphyrius. 
Als (vielleicht älteren) Zeitgenoflen des Prokop erkennen wir ihn 
aus den Briefen an den Iatrofophifl;en Gessius^. Daß hingegen 
unfer Äneas bei Prokop (B 22, 83, 87, 88) gemeint ifl;, wird fehr 
unwahrfcheinlich durch die Worte Tij^VYjv otSs tooc vÖ[i.oo(; .... (22). 
Sein Dialog ifl) vor dem Jahre 534 gefchrieben, da die Worte t^v 
{isYtaxYjv AißÖYjv Tctxpa xai^^st ropawi? (AD 75, 25) deutlich an- 
geben, daß das Vandalenreich in Afrika noch nicht zerfl^rt ifli. 

Neben der Philofophie befchäftigten ihn auch die bekannten *.. 
fophifl)ifchen Spielereien der Rhetorik (AB 15), als deren Lehrer 
er fpäter in Gaza eine große Schar eifriger und vornehmer Jüng- 
linge aus den entfernteflien Gegenden um fich sammelte (B 13, 16), 'j 

'U 

1 Vgl. AD 160. 

* Histoire de la destruction du paganisme dans Vennpvre d'orient. ^ 
Par. 1850. S. 229. 

3 Annales eccl. ad ann. 484, § 91, 

* X. Frolegg. XXII ff. 

^ 19, wo üch der Name Prokop wahrfcheinlich auf unfern Sophiften» 
nicht wie Wernsdorp (S. XI) noeint, auf einen Sohn eines Elpidius bezieht, 
und 20. 



— 25 — 

fo daß er fich rühmen konnte (B 18), daß feine Reden und Por- 
traits durch feine Schüler den Weg zu den loniem fanden. 

Neben den fchon bei der Befprechung des Pbokop genannten 
Freunden des Äneas nennen deflen Briefe nur noch wenige neue 
Namen, von denen wieder nur ein einziger genauer bekannt ifl : es 
ift der Verfafler einer Anzahl Mufterbriefe, der Sophift Dionysius 
aus Antiochia, wie aus den Worten des Äneas hervorgeht (17): 
KaXXtöin] ^aofJiaCoooa ttjv TcoXtv 6|Jiiv ^rapaxddYjTai. Denn wir wiflen, 
daß gerade in Antiochia diefe Mufe einen prächtigen Tempel hätte * ; 
und auf ihn fcheint Äneas anzufpielen. 

Der Sophift Epiphanius (12, 23, 4), ein Schüler des Äneas ^, 
hat wohl mit dem gleichnamigen Freund des Prokop nichts zu thun, 
da jener von Prokop als Jurift bezeichnet wird. Dagegen fcheint der 
Schüler des Äneas einen gemeinfamen Freund der beiden Gazäer, den 
Sophiften Zon^us, als guten Rhetor zu preifen (AB 4, PB 107). Reine- 
siüs^ hält diefen Freund des Äneas für den von Suidas* erwähnten 
Verfafler von Ipcortxal kniozokoLl xäI aYpoixtxal, von denen wohl auch das 
Schriftchen Tispl a^W^'^^'^ '^^^ '^^'^^ Xö^ov xal xata X^£tv^ flamme®. 



1 Müller, Antiq. Antioch. S. 69 Anm. 4 und S. 106 f. 

2 Vgl. das Epigramm im cod. Aug. (AD 156, 27): 

Alvsioo Tc6vo€ ohxoq, 8? e4o)^o? Äxö-lSt p.o6o^ 

Tyjxyjpcdv y^Y**"? "^«^ ö-etoxepot? evl pio^ot? 

Toü? vöv xal To5(S irpoo^e napeSpapiev, w? xoht *(paiL\i.a 

'Axpexeü>; riXt^^B [irovYjO-ev] jj.'rjxtSt «oxv^ (fo E. Rohde Ilatt des 

unverftändlichen 4^XeY5e [J.v|7cext iroxtvYj). 
FaCa li.i'^a cppoveoi?, 8xt xotoo itaxpl? exo/fl-fj?, 
"Oaxt? xal ^YjXYjp' 'Eictcpdvtov e^sSiSaJev. 
Die AnfangsbuchAaben der Verfe ergeben den perfifch klingenden 
Namen ApxaYo?; vielleicht nennt lieh damit der Verfaffer des Epigramms. 

3 Varr. lect. p. 690, 

* Ztovato? e^pOL^tv spwxixa^ eirtoxoX^*; xal Tcspl xoo ocpatpijstv* «pipovxat 
hl abxob xal exepat (Bernh.: ^xatptxal) eictaxoWt xal ötYpotxtxat. 

* Rhet. gr. in. 161-170 Sp. 

« Rohde, Gr. Rom. S. 343. L. Cohn, Philol. Abb. M. Hertz zum 70. 
Geburtstag S. 128 f., dagegen weift nach, daß das Schriftchen anonym über- 
liefert und der Name des Zon^eus im cod. Par. 2929 von dem bekannten 
Fälscher Paläokappa zugefetzt worden fei. 



■b* ■ **h 



t<*Äf4.«ifiMÄsswas«.^jEaBa&iZ-r?z:-^^ -* v ^-^ 



— 26 — 

BoHDE^ deutet als möglich an, daß die unter Arist^netüs' Namen 
gehende Sammlung erotifcher Briefe von eben diefem ZoN-ffiUs 
flamme. Daß nicht ARisTiENETUs aus Bithynien, der Freund des 
LiBANius, fie gefchrieben, hat man längft erkannt ^ ebenfo daß 
der Namen fölfchlich aus der Überfchrift des in der verflümmelten 
Sammlung zufällig an erfter Stelle flehenden Briefes erfchlolTen ifl'. 
Jedenfalls flammen die Briefe aus der Zeit der Gazäer* und erinnern 
mit ihrer ganzen Manier, den zahllofen Hyperbata, der Sucht nach 
Gemeinplätzen, dem zierlichen Satzbau u. f. w. an die gazäifche Schule. 

Der Sophifl Sopatrus (9) erinnert an den gleichnamigen Ver- 
falTer der IxXoytj bropiÄv^, von Biographieen^, von Siatp^astc ^^l'^fl" 
[idcTCDV und breiten Schollen zu den a-udosic des Hermogenes '. 

Mit SA^tAPiON, der Ispeöc fein könnte (16), ließe fich Süidas 
v. Sapaittfiöv vergleichen®. 

Theodorüs (18) fcheint in Smyrna zu fein, wie Nicolai (HL 
225) bemerkt, und fcheint dort durch feine, bei Äneas erworbene^ 
€ s5y(övCa» bewirkt zu haben, daß «-ccbv 'A^Yjvatwv ol TralSsc .... itapa 
TÄv S6pa)V attixiCetv aStoöot [tavddtvetv . . . . Tcap' i^jitv ttjv äxa5ij- 
jtstav Ttal TÖ Xöxetov slvat vo|i[CovTe<;. 

Von feinen übrigen Bekannten läßt Äneas wenig mehr als 
den Namen erraten, fo von den beiden Dichtern Konstantin aus 
Italien (9) und Paulus, dem Konful Marinianus, welchem der 
Rhetor Ponton, Viktor, Stephanus und andere empfohlen werden, 
und dem Redelehrer Encratius (13). 



1 a. 0. 

* S. Mercerus in der Ausg. d, ARiSTiBN. v. Boissonade praf. XII. 
8 Westermann III. N. 28. 

* Passow, Verm. Schriften 94 ff. und Dilthey, De Callimachi Cydippa 
165. S. überhaupt Arist^n. ed Boisson, praef. I—XVL 

^ Phot. cod. 161. 
« Cram. Anecd. Par. I. 389. 
^ Rhett, gr. IV, V, Vm W. 
8 S. Brunck Anal. II. 291. 

•».aXä xoö naxpbq elvat vo|i.t{8xat' &XX' eSye ttj? 6|j.£Tepa? e^^cDvia«; . . . . 



— 27 — 

Sind auch diefe Briefe nach Inhalt und Form für uns der 
wertvollere Teil der erhaltenen Schriften des Äneas, fo verdankt 
er doch feinen Ruhm und vielleicht die Erhaltung feines Namens 
überhaupt dem Dialog «Theophraftos», in welchem er, durch feine 
philofophifchen Studien in Alexandria unterflützt, gegen den Neu- 
platonismus auftritt, der die Ewigkeit der Welt behauptet. Und 
gerade hier begegnet es ihm bisweilen, daß er neuplatonifche Dogmen 
ohne weiteres mit chriftlichen zufammenwirft, faft der einzige 
Fehler, den ihm die Gelehrten, felbft Wernsdorf nicht aus- 
genommen, zum Vorwurf machen. Allein gegen die wahrhaft 
enthufiaflifchen Lobeserhebungen in jener Zeit ifl eine kühlere 
Beurteilung wohl am Platze. Die Kenntnis der Philofophen, gegen 
die er auftritt, ift eine mittelmäßige. Er kennt zwar, wenigftens 
aus einigen Schriften, feinen Plato; aber er bildet fich nach der 
Mode früherer Jahrhunderte immer noch ein, daß der große Philo- 
foph feine Wiffenfchaft bei den Chaldäern und Ägyptern geholt 
habe. Er kennt auch die Platoniker, aber, wie es fcheint, mehr 
aus bequemen Kompendien als unmittelbar aus den weitläufigen 
Werken derfelben. Auch feine fchriftftellerifche Leiftung ift nichts 
weniger als gut. Die Charaktere der auftretenden Perfonen find 
zum Teil von vornherein unwahr, zum Teil nicht ^onfequent durch- 
geführt. Der Dialog ift infolgedeflen ohne Leben, das ganze eine 
Spiegelfechterei, da der erbärmliche Theophraft fich fchon beim 
erften Angriff ergeben möchte. 

Woher Stark ^ die Notiz hat, daß Äneas noch sekcta Plotini 
super dialectica gefchrieben, war nicht ausfindig zu machen. 



Zofimus. 

Ohne hinreichenden Grund macht Nicolai LEI. 229 den 
Äneas (B 10) zum Freund, den Prokop gar zum Lehrer des 



1 Gaza 634 Anm. 3. 






■-ii'i-^*'«3i^:^ij?:i^i;ijy3^^ ■ i\ 



— 28 — 

ZosiMUS von Gaza^, über deflen Leben wir fehr mangelhaft unter- 
richtet find. Selbft über feine Heimat fcheinen fchon frühe Zweifel 
beftanden zu haben; die kurze Nachricht bei Suidas lautet nämlich: 
Zd)attioc Tat^aloq tj 'Ao%aXcovi'CTf](;, ooytotYj*;, xata xob<; xpövotx; 
'Avaotaotoo toö ßaaiX^cD?, I^paij^s Xd$tv pyjToptxTjv xara aroixstov xal 
67CÖ{iVY)[ia eU töv AyjixooO-dvYjv xal el<; Aooiav. Die Bezeichnung 
'AaxaXcDvirifjc erinnert an eine Notiz des Tzetzes* Ttpb 'EppioY^vooc 
SYpat|^av xal SXkoi yap ISäac, aotög 6 Atov6otO(;, oov ^ xal BaotXtoxo?, 
xal ZtJvwv 8b, xal Zdxsipioc ävJjp 'AoxaXcDViTY]^. So wenig Vertrauen 
diefe Notiz infolge ihrer falfchen Chronologie^ erwecken mag, fo 
darf man aus ihr doch auf dfe Exiftenz eines Zosimüs von Ascalon 
fchließen. Man könnte nun annehmen, daß ein und derfelbe 
Sophift diefe doppelte Bezeichnung aus dem gleichen Grunde er- 
halten habe, mit dem fchon Chrysipp Taposo? t] SoXeö^ genannt 
wurde, eben weil er feinen Wohnfitz von Tarfus nach Soli ver- 
legte. Aber dem widerfprechen die unvereinbaren Nachrichten 
über die Zeit des Zosimüs. Sutdas fetzt den Zosmus von Gaza 
oder Ascalon unter die Regierung des Anafl}afius (491 — 518), Ce- 
DRENUs* und andere berichten, daß Zosimüs von Gaza vom Kaifer 
Zeno (473—491) getötet worden fei. Diefe Unficherheit in der 
Angabe über die Heimat und der Widerfpruch in der Chronologie 
bei SüiDAS und Cedrenus wird am befl)en durch die Annahme 
Clintons ^, die auch Rohde für fehr wahrfcheinlich hält, gehoben, 
daß nämlich Zosimüs von Gaza, getötet von Zeno, und Zosimüs 
von Ascalon, der unter Anafl)afius blühte, ganz verfchieden und 
beide von Süidas irrtümlich zuiammengeworfen feien. 



1 Prokops 151. Brief ift an einen ZosiBius gerichtet, der zwar einft fein 
Schüler war, nun aber Jurilt genannt lA und alfo mit dem Sophillen Zosi- 
müs (fei es aus Gaza oder Ascalon) rchwerlich identifeh fem kann. 

* Schoh in Hermog. Gram. Anecd, Ox, IV. p. 126, 7. 

* S. DiNDORP Schol. z. Demosth. p. XIX. 

* S. 354: ta o[i.oia h\ uiirovö-e xal Zatoipiot; 6 rafalo? ^'fitwp. 
6 Faßi B. IL 323. 



— 29 — 

Vielleicht ift unfer Zosimus im Codex Matrit. 58 fol. 139 
(Iriarte I, 197) gemeint: 'E% zm 'AO-avaoioo toö oo^wtod 'AXs$av- 
Spstac S Z<Ä)ot(AO<; 6 Odwvoc Simp^ihf^axo {Ä.aO'Y)'C7j<; t« )^p7]at{ia)TaTa; 
denn fowohl Theon wie Zosimüs befchäftigten fich mit Demosthenes 
und Isokrates; außerdem würde ein Aufenthalt des Zosimus in 
Alexandrien ganz der Sitte feiner Landsleute entfprechen. 

Das rhetorifche Lexikon und der Kommentar zu Demosthenes 
und Lysias, die Süidas nennt, find verloren gegangen^. Dagegen 
foU das Lexikon des Zosimüs von Ascalon zu Demosthenes in der 
Bibliotheca Vat. noch vorhanden fein*. Endlich fuchte Dobree* 
zu beweifen, daß nur die Prolegomena zu den Olynthifchen und 
Philippifchen Reden ausfchließlich von Ulpian herrührten, wäh- 
rend die Scholienfammlung zu diefem Redner dem Zosimüs von 
Ascalon gehöre. Er gründete feine Behauptung auf die Wahr- 
nehmung, daß den DEMOSTHENEs-Scholien im Cod. Par. Y die von 
ZosiMOs von Ascalon verfaßte Biographie des Redners vorausgeht, 
daß Zosimüs fich in ähnlicher Weife mit Isokrates befchäftigt hat, 
und daß endlich das Scholiori zu S. 742, 23 ausdrücklich auf 
die genannte Vita des Demosthenes hin weift. Nach W. Nitsche* 
jedoch gehört dem Ulpian nur die Befprechung der erften Oljni- 
thifchen Rede an, Schol. S. 1 — 17 Dind.; er vermutet, faft alle 
Schollen zu Demosthenes seien aus dem Kommentar des Menander, 
eines Zeitgenoflen des Mark Aurel^, gefloflen; Zosimüs fei alfo nicht 
erfter Urheber, fondern nur Bearbeiter gewefen, und vielleicht habe 
fchon er die Erklärung der Reden von denen gegen Aphobos an 
als für die Schule unwefentUch beifeite gelafien. 

Die fchon genannte Biographie des Demosthenes in Wester- 
MANNs BiograpM gr. (S. 297 ff.) trägt den Namen des Zosimüs 



1 S. Demobth. ex reo, Dind. VIII. p. XX, 

a a. 0. 

8 a. 0. p. XII f. 

* Der Rhetor Menander u. d. Schol. z. Demosth. Progr. Berl. 1883. 
S. 10 f. 

* a. 0. S. 12 f. 






— 30 — 

von Ascalon; den gleichen Verfafler hat eine anonym überlieferte 
Biographie des Isokrates (a. 0. S. 253 ff.); das zeigt eine Ver- 
weifung am Anfang der erfteren auf den der letzteren, das zeigen 
ferner zahlreiche gleiche Wendungen^ und der ganze Charakter 
der beiden Schrift chen. Ihrer Natur nach paffen fie ganz gut zu 
der Schreiberei der übrigen Gazäer. An fich find fie wertlos, da 
fie nichts bieten, was nicht von anderer Seite fchon bekannt wäre. 
Während die befprochenen Gazäer in den Nachrichten der 
Alten als Sophiften bezeichnet werden, haben Timotheus und 
Johannes von Gaza den Namen Grammatiker. 



Timotheus. 

Timotheus von Gaza, deffen fall unbekannte Lebensumftände 
und Werke Haupt (Herrn. HI. 1 ff.) fchon genauer unterfucht hat^y 
war Schüler des Horapollon in Alexandria ^ und Zeitgenoffe des 
Anafliafius, den er in einer «tpa^cpSia»^ um Abfchaffung der 
drückenden, y(^pv>o6Lp^opo<; genannten Steuer bat^, die 501 wirklich 
erfolgte. Diefe «TpaY(j)8ta» fcheint, wenn auch unvoUfländig, im 
Klofter des hl. Athanafius auf dem Berge Athos erhalten zu fein, 
wie aus einem Katalog hervorgeht, welchen Chrysanth, der Patriarch 



1 z. B. 297, 8 = 259, 68; 298, 41 = 256, 94; 299, 67 u. 300, 90 u. 96 = 
264, 10; 302, 46 = 259, 64. 

2 Vgl. noch MoNTFAUc: cod. Coisl. p. 597, 

8 Egenolfp, Progr. Heidelberg 1888. S. 34, 9: An einer Stelle (des 
Codex Vallicellianus E 11) werden Timotheus und Horapollon fo citiert; 
otpateta el ahxri "fj ä^t«, xal ßapoxovox;, &<; cp-fioiv b TtjAoö-eo^ 6 FaCeb? TP^^P'-" 
piatix^^ 6v xotX^ xaxcc oxotyelov hi^^o^'^oi^y oh jx-i^v &XXöc xal ^öpanoXXcDV 6 
xoutoo SiBdoxaXo^ .... 

* S. RoHDE, Gr. Rom. S. 352; Christ, Griech. Litt.-Gefch.2 1644. 

6 Cedren. p. 367: itpeoßet<; xoivov 8eSa[j.evo5 b ßöiotXei? bizb xäv Iv 
'IepoooX6{i.oi^ [jLOvdixcDV, xal TtjAoO-loo xoo FaCatoo ävSpö? xöt icavxa oo<po5 xpa^tp- 
8tav TCOtY|oavxo5 6ir^p xoö xotooxoo, xaöxa e^^xc^e, Süidas v. Tt|i.6öeo?. 



— 31 — 

von Jerufalem, zu Anfang des vorigen Jahrhunderts angefertigt und 
den Sathas veröffentlicht hat^. 

Nach dem Jahre 496 fchrieb er in epifchem Versmaß vier 
Bücher Trspl Ctpoov tstpaTröScov •6'if]pi(öv twv Trap' IvSoi? xal ''Apa^j^t 
xal AiYOTCTtotg xal ooa Tp^yet AtßoT], xal Tcspl Spvsoiv S^vwv ts xai 
ÄXXoxÖT<ov xal öydwv. Daraus ift ein fehr kurzer, im 11. Jahrh. 
gö»achter Auszug erhalten, den Haupt Herm. III. 1 ff. aus einem 
Cod. Aug. herausgegeben hat. Diefes Stück ergänzt man durch 
ein kürzeres Excerpt in einem Cod. Par. C.^ Aber mit Recht 
zweifelt Haupt, ob das Stück Herm. HL 30, 12 ff. von Timotheus 
flamme. Indes fcheint alles, was aus dem Cod. Par. C. ediert ifl, 
verdächtig. Im Aug. ift jedes Kapitel mit Nummer und Über- 
fchrift verfehen^, nicht fo im Par. Das Excerpt des Par. betrachtet 
die Tiere nur in Beziehung zu dem Menfchen, indem es Jagdregeln 
giebt* und^ die Nutzbarkeit der Tiere und ihrer Teile ins Auge 
faßt^. Im Aug. werden fafl ausfchließlich die Eigentümlichkeiten 
der Tiere an fich, d. h. ohne Rückficht auf ihren Wert für den 
Menfchen befprochen^. Entweder hat Timotheus gar keinen Teil 
an dem Excerpt des Cod. Par., oder der Epitomator hat eben fein 
Augenmerk auf ganz andere Dinge gerichtet. Das Werk des 
Timotheus war nicht fowohl eine Naturgefchichte, als eine Samm- 



* Sathas, MeoatüDTtxTj BtßXto^^xT] I. 271: Ttp.oö'loo rpajip.aTtxoö, nph^ 
töv aOToxpatopa 'AvaoTaotov* &TeXe?. 

2 Herrn. III. 29, 5 ff. 

3 z. B. xscp' 8' Tcepl 6atvY]^* 5xt Ivtaoxov itap' evtaoTÖv Ytvexat ÄppTjv xal 
iz&\iv -O-tiXeta. 

* S. 30, 12: ^xTcxTioüv dXteöoat el ^eXet<;, Xaßwv xXd^ou^ eXaia^ aitoxpl- 
{laoov el^ T7]V ö-aXaoaav .... 

* Diefe Jagdregeln liehen alle in dem zweiten, von Haupt angezweifelten 
Teil des Parifer Excerptes (Herrn. III. 30, 12 ff.) und bilden fo felbll wieder 
einen Gegenfatz zu der erflen Hälfte desfelben. Auch hinüchtlich der 
fprachlichen Form ift das erfte Stück von dem zweiten verfchieden, info- 
fern hier alle Abfchnitte einen Bedingungsfatz enthalten, der im erften zu 
fehlen pflegt. 

* 29, 10: 8xt ol o^oyxt^ tyj? «pwxTj? aXoicov icapexovtat «atStot? o86vx(«v 
icK^üoiv .... 



I 



'■•-"■'«" 'vjifijr - '.'. ■■■■-; .".■^.1*.- • 



— 32 — 

lung von Fabeln und wunderbaren Erzählungen, die fich palTena 
neben die Spielereien der andern Gazäer Hellen^. 

Die Bezeichnung des Timotheus als '^paL\L\LOLZiy.b<; beftätigen 
noch heute verfchiedene Refte grammatifcher Schriften. Im cod. 
CoisL 387 ift ein Werk von ihm unter dem Titel vorhanden: 
Ti[iodsoo rACiQc xavövsc ocaO-oXixol Tcspl oovTdSsw«;^: über die Gefetze, 
nach denen fich die Buchftaben zu Silben und Wörtern zufammen- 
fügen*. Im cod. Vallicellianus E 11 und cod. Laurent. LIX. 49 
wird ein anderes Werk von ihm erwähnt und benützt, das Äspl 
öpO-oYpa^pia«; 7cp6<; 'ApxeoiXaov betitelt ift. Egenolfp* meint, daß 
unter den Titeln Iv zai(; xata otot^slov Si^dÖY^otc und avrtoTot- 
^dpLov zm x5' ozov/&my Teile der genannten Schrift zu verftehen 
feien. 

Was Bernhardt^ meint, wenn er Eusebius und Timotheus 
unter den Leuten nennt, «welche die fprödeften Stoffe der Zeit- 
gefchichte epifch behandelten», ift mir nicht recht klar. Vielleicht 
meint er die «ipaYcpSta» des Grammatikers; denn von Timotheus 
fcheint ein Werk hiftorifchen Inhalts von anderer Seite nicht be- 
zeugt zu fein. Allerdings nennt ihn auch Miräus® einen Mann, 
«gw« suh Anastasio imp, egregium historic% philosophici et grammaiici 
nomen hahuiU, 



Johannes. 

Weit fchlimmer noch als um die Nachrichten der profaifchen 
Schriftfteller Gazas ift es mit deflen Poeten beftellt. Selbft von 
dem uns allein genannten Grammatiker Johannes hat man Vater- 
land, Lebenszeit, ja die ganze Exiftenz in Zweifel gezogen. So 

* Über die Quellen des Timotheus f. Bussleb, Fleckeisens Jahrb. 
Bd. 139. S. 128 ff. 

2 Herausg. v. Cbam. Änecd, Far. IV, 239 ff. 
8 A. Leutz, Her od. reliq. prcef. p, 97, 

* Progr. Heideib. 1888, S. 34. 
» Litt-Gefch. I. 671. 

8 Bibl, eccl L 202. 



— 33 — 

greift Petersen ^ die Form rdC>](; in der Überfchrift der erhaltenen 
^TLtppaGK;, ftatt FaCaioo oder FaCi^jVoö, an nnd kommt zu dem über- 
rafchenden Schluß, daß diefer Johannes identifch fei mit Johannes 
Philoponus, — natürlich: denn ein Gazäer als Verfaffer diefer 
^X(ppaoi<; verträgt fich nicht mit der Behauptung desfelben Gelehrten, 
daß das dem Gedichte zugrunde liegende Gemälde eben nicht in 
Gaza, fondern in Antiochia zu fuchen fei. Andere Schwierigkeiten, 
die fich feiner äußerft fchwach geftützten Behauptung hinfichtlich 
des Ortes entgegenftellen, fucht er nicht einmal zu l)efeitigen, wie 
z. B. die hartnäckige Betonung in der Über- und Unterfchrift, daß 
das Gemälde fich in einem Winterbad befunden habe, während 
die Quelle, auf welche fich Petersen ftützt, bloß von einem 87](jLÖatov 
XooTpöv berichtet. Im übrigen hat Ludwich ^ die einzelnen Be- 
hauptungen Petersens zurückgewiefen. Er fieberte die Form 
rdtCTlC und zeigte, daß das Gemälde doch in Gaza gewefen fei, in 
einer, trotz Petersen, an folchen und andern Kunftwerken reichen 
Stadt, wie aus gleichzeitigen Befchreibungen, z. B. bei Choricius, 
hervorgeht. Diefes zugegeben, läßt fich die Zeit des Johannes 
näher begrenzen, als es bisher gefchehen war. Schon längft haben 
die Gelehrten nachgewiefen, daß der Grammatiker in feiner Be- 
fchreibung den Spuren des Nonnus, den man in den Anfang des 
5. Jahrhunderts fetzt, gefolgt fei, daß er alfo nach jenem, d. h. 
nicht vor der Mitte desfelben Jahrhunderts geblüht habe^. Daß 
er in dem Scholion zu der Befchreibung zugleich mit oder viel' 
mehr vor Prokop und Timotheus genannt wird, fcheint für die 
Berechnung feiner Zeit weniger bedeutfam als Ludwich glaubt*. 
Dagegen läßt fich aus der Vergleichung zweier Stellen des Choricius 
mit der Ixypaot«; Genaueres ermitteln. Derfelbe fagt nämlich in 
der Grabrede auf Prokop^, daß der Bifchof Marcianus das Bad 



1 Bhein. Muf. 8, 384 f. 

2 Eh. Mus. 44, 194 flf. 

8 S. RoHDE, Gr. Rom. 472. 
* S. oben S. 9. 

^ Chß 23, 17. 

Seitz, Die Schule von Gaza. 



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34 



dem Gebmuche übergeben habe: tö ts Xoorpöv av£(j))tTai 5ta os; 
dies wird kaum lange vor 526 gefchehen fein, da der Bifchof ein 
Schüler des Prokop war. An einer andern Rede, die nicht nach 
536 gefprochen ift, läßt Choricius den Stephanus Tagen: avoi^co 
Tor<; Ivotxoöoty Itspov )(si[i(ovo<; Spc^ XooTpöv xal {i£T05(eTs6a(ö Xooo(i£vot<; 
TTÖTifiov 58ö)p xal Xiav l;rtTY]8siov eos^tq^ o{0[idT(öv ^. Wenn in diefer 
Zeit Irepov auch nicht mehr den Begriff «einer von zweien» feil- 
hält, £o darf man doch aus der Vergleichung der beiden Stellen 
fchließen, daß Marcianus das erfle Bad gebaut hat, Stephanus 
das zweite in Ausficht Hellt. Nun kennt aber Johannes blos ein 
Bad, wie in der Über- und Nachfchrift der Ixypaatc betont wird: 
Alfo wird das Bild, welches er befchreibt, fich in dem älteren Bad 
befunden haben und das Gedicht etwa zwifchen 526 und 536 ent- 
ftanden fein. Die Behauptung Petebsens, daß das Gemälde aus 
der Zeit des Auguflus flamme, ifl fo haltlos, daß fie einer Wider- 
legung nicht bedarf. Johannes mag demnach ein Zeitgenoffe des 
Choricius gewefen fein. Diefe Anficht wird fehr empfohlen durch 
den Umftand, daß die gleiche Zeit fich aus einer ganz andern 
Rechnung ergiebt. R. Holland^ meint, daß der Dichter der 
«Arethufa und Alpheios» dem Prokop und MusÄus bekannt war, 
vielleicht mit dem letzteren identifch und von unferem Johannes 
an verfchiedenen Stellen benutzt worden fei: Johannes hätte alfo 
auch hiernach fpäter gelebt als MusÄus und Prokop — etwa zur 
Zeit des Choricius; denn aus dem Inhalt der Anakreonteen (IV, 
V, VI, II, in), die auffallend mit einer Anzahl von Deklamationen 
des Choricius übereinflimmen, muß gefolgert werden, daß Johannes 
nicht gar lange nach der Zeit diefes Sophiflen gelebt hat. 

Seinen Beinamen 7pa(i[i.aTt%ö<; bellätigen zwar nicht mehr er- 
haltene grammatifche Schriften; aber wir wiffen, daß er junge 
Leute unterrichtete*. Johannes war wohl in der Hauptfache 



1 KP 78, 7. 

* Comment philol. quibus 0. Eibbeckio .... Lps. 1888. p. 413 f. 

8 Vgl. die Überfchrift von carm. IV. u. V., auch Vers 49 ff. von V. 



— 35 — 

Grammatiker, und der Verluft etwaiger grammatifcher Schriften 
mag ebenfo ein Werk deß Zufalls fein, wie die Erhaltung feiner 
elenden Verfe. 

Die erhaltene Ix9paat<; toö xoo[iixoö Tutvaxoc ^ wurde vor einem 
^eatpöv <patSpöv fjTtixtoit^vov, aTTfJpiYfJia osjivöy zfi(; StXYjc xal twv 
Xö^cDV (I, 20 f.) vorgetragen. Sie gehört in die Klaffe der Befchrei- 
bungen, welche befonders von den gazäifchen Sophiften gepflegt 
wurden, und von denen auch ein Choricius Zeugnis giebt. 

Auch feine Anakreonteen * fallen inhaltlich zum großen Teil 
mit den Deklamationen des Choricius über Aphrodite, Adonis, 
die Rofe und ähnliche Dinge zufammen. 

Irrtümlicher Weife hat Du Cange^ ein Fragment aus der 
toTopia xpovtXT] des Johannes von Antiochia^ dem Johannes von 
Gaza zugefchrieben und wohl erft aus dem Inhalt des Fragmentes 
den Titel Tüspl ap)^aioXoY'-ac erfchloITen. 

Wir fahen fchon oben, daß Gaza verfchiedene Dichter in 
anakreontifcher Manier befaß, daß alfo Johannes nur einer von 
ihnen war und, wie es fcheint, nicht der bedeutendfle. Aber die 
Namen find verloren: Unter den vier Anakreontikern, welche der 
Cod. Barberinus 246, der diefe Erzeugnifle überliefert, nennt, 
könnte man mit Stark ^ nur den Grammatiker Georgius für einen 
Gazäer halten, da die fieben erhaltenen Gedichte desfelben fich in 
dem gleichen Kreife bewegen, wie die Produkte jener. Auf einen 
gleichzeitigen Enkomiendichter, welcher in Gaza (ChB 26, 3) die 
von Summus in Ägypten vollbrachten Thaten befang, deutet 



» S. Stark, Gaza 644 flf. 

* Bergk, Poetae lyr, gr. III*, 339 ff. Stark, quaestt Anacr. Ih 11. 35 f. 
Auch F. Hansen, Die Metra der Anakreontea in «Theorie d. muf. Ktinfte 
d. Hellenen» v. Rossbach-Westphal^ ni2, S. 864 ff. 

3 ad Zonaram p, 16. 

* Müller, Fragm, hist, gr. IV, 553. fr. 33: Noo^Lag 6 ßaotXeJx; Ix^- 
Xsüosv ev Tol? ÖTCoSYjjiaot Ttüpiatoüv xaiv itaTpixicuv xoiroöoO'ai xh TP(i)[JLatxöv 
xaiTTCa, 7cap& zol<; ''EXXyjoiv laxl ^u), o? 8ta xb Tuiv xo'.vdiv entjj.eXsTaO*at irate- 
pü)v £<3yov eirmvüjJLiav. e^opoov ol iraTpixtot xa xaicaYi«. 

* Gaza 646. Vgl. auch deffen questt. Anacr. l, II, 

3* 



— 36 — 

Choricius (B 31, 7 u. 26, 2), ohne jedoch einen Namen oder fonll 
einen Anhaltspunkt zu bieten. 



Der Tchriftliche Nachlaß der Gazäer ift an und für fich nicht 
gering; aber für die Betrachtung ihrer formellen Leillung hat der 
größere Teil der Schriften, fo die ganze Mafle der exegetifchen 
Sammelwerke des Prokop, gar keinen, anderes, wie die Auszüge 
aus dem Werke des Timotheus, die Biographien des Zosimtjs, nur 
einen fehr geringen Wert. Es fallen alfo in den Rahmen diefer 
Betrachtung nur die Reden und Briefe des Prokop, alle Schriften 
des Choricius, endlich die Briefe, auch der Dialog des Äneas. 

Da die Dichtkunft in Gaza nicht nur im Stoffe, fondern auch 
in der Form von der Rhetorik beeinflußt wurde, können auch diefe 
Refte hierhergezogen werden, fo fehr auch in der Hauptmaffe <Jie 
Manier des Nonnus hervortritt. 

Eben weil die Rhetorik das Band ifl. welches alle angeführten 
Gazäer umfchließt, und da gerade in rhetorifcher Hinlicht die 
Eigenart und Bedeutung derfelben am deutlichften hervortritt, fo 
mag auch die rhetorifche Seite, wenn nicht ausfchließlich, fo doch 
in hervortretender Weife der Betrachtung unterzogen werden. 

Hierzu geben die Gazäer felbft einige Winke; in ihren Briefen 
und Deklamationen machen fie Anlage und Stil derfelben öfter zum 
Gegenftand von Bemerkungen, aus denen man entnehmen kann, 
auf was für Dinge fie ihr Augenmerk befonders richteten. Prokop 
dachte auch hier gefunder und würdiger als feine GenoITen; fchade, 
daß es ihm nicht gelingen wollte, feine Gedanken in feinen Schrif- 
ten zu verwirklichen. Im 136. B. tadelt er einen Bekannten wegen 
feiner fehlerhaften Tropen: ooytanxa ooo ta YpapLjiaTa xal toö 
FopYtoo Tö(pov ISöxoov opav. ostv Y&p töv NstXov I^yjc Ix Y'iq^ (vgl. 
auch B 16). Choricius betont da und dort die Angemeflenheit 
(B 310): T^ StdXs^tg' on Set töv Traptövta toö [1£Xst(ö|i§voo tö "^doc 
6ta Travcög yoXdJat toö Xö^od (vgl. S. 300). Dies exemplificiert 



— 37 — 

er S. 134: vö[jl(|) 6e t^c Tjö-oTrotiac s7rö[ievot, Troifisvtxöv ts xal ayeXä^ 
aoTcp TÖ -^ö-oc 7cept^7](30[isv (f. auch ChJ^ 14, 2). Aber angefteckt 
von der krankhaften Manier jener Zeit zeigt er lieh in Auslaflungen 
wie B 77: ocysts oov, ä XoYot, .... st Trote (iot Trpöc Itepov ä^Xov 
ivexaXXa>7Ciaaad6, vöv ^xsts [taXXoy iats'f ava)[i.^vot te so [idXa xal 
ÄßpoT^poo(; lv5s8D[i^vot /ttcövac %al ^oixiXyjv Trapa^Tjaovtsc eow/iav 
(vgl. B 87, 133; 298; 134). 

Die wirklichen Leiflungon der Gazäer können nur dann ihre 
gerechte Beurteilung finden, wenn man flets im Auge behält, daß 
fie ganz und gar auf die Nachahmung einer längft vergangenen 
Zeit geftellt waren. Wie große Schwierigkeiten fich aber hier er- 
hoben, und welche ungeheure Mühe diefe befeitigen mußte, lehrt 
die Gefchichte der bedeutendften Vertreter der zweiten Sophiftik. 
Wer das damalige Griechifch als Mutterfprache redete, hatte einen 
womöglich noch fchwierigeren Stand als der Barbar: Lucians 
Stellung in der fpäteren Litteratur ift dafür bezeichnend. Hatte 
man mit glücklichen Anlagen und ausdauerndem Fleiße fich in 
einem Kreis von Vorbildern heimifch gemacht, fo blieb immer 
noch die große, nur von wenigen Glücklichen vermiedene Gefahr, 
den richtigen Grad der Nachahmung zu verfehlen und ftatt eines 
harmonifchen Ganzen ein buntes, von allen Seiten zufammen- 
geholtes Flickwerk hervorzubringen, deflen kleinfle Teile einander 
widerllreben. Bei den Gazäern geht die Unfreiheit und Abhängig- 
keit von ihren Vorbildern oft fo weit, daß man genau genommen 
nicht mehr von Nachahmung reden darf, fondern fie bisweilen mit 
den Centonenfchreibem vergleichen möchte. Hierin liegt auch 
der Grund dafür, daß- fie in einer und derfelben Rede ganze Sätze, 
die einmal ihr Gefallen gefunden haben, fall unverändert wieder- 
holen: PA 490, 5: Tcp^Tücov ^ap ooto^ ßaotXet %6o^<;: PA 501, 14 
7rp^7:o)v ovizo<; ßaoiXsl 7tö(3{Jt.O(; ; PA 494, 3: 500, 17; ChB 78, 7 : 
80, 7 flf.; 174, 10:176, 20; RP 216, 14:217, 4 und fonfl. Im 
übrigen hatte eine Mafle grammatifcher und rhetorifcher Hülfsmittel 
jeder Art und von dem verfchiedenflen Werte, außerdem die thun- 



— 38 — 

lichfte Beschränkung der Zahl ihrer klaffifchen Mufter die Arbeit 
diefer Sophillen zu erleichtern gefacht. 

Die Zahl der Schriftfteller, welche den Gazäern bekannt war, 
läßt fich unfchwer aus den zahlreichen Citaten ermitteln, mit 
denen fie ihre Schriften fpikten^. Vor allen beuteten G.e Homer 
aus, von dem man auf jeder Seite Verfe oder Versteile findet. 
Auch Hesiods und Solons Sprüche voll praktifcher Lebensweisheit 
waren willkommen. Unter den Tragikern war aus gleichen Grün- 
den EüRiPiDES der beliebtefte, unter den Komikern findet man 
die Rangordnung: Eupolis, Aristophanes, Philemon, Menander. 
PiNDAR ift an verfchiedenen Stellen ausgefchrieben. Dazu kommen 
noch eine Reihe von Citaten, deren Autoren heute unbekannt find. 
— Von weit größerer Wichtigkeit war ein kleiner Kreis von Pro- 
faikern, die mehr zu eigentlicher Nachahmung beftimmt waren. 
Herodot, die Brücke bildend von den Dichtern zu den Profa- 
fchriftftellern, verdankt feine Beliebtheit vorzüglich den anmutigen 
Epifoden, die ihm die Sophiften, bald in längerer Ausführung, 
bald fie blos andeutend, gerne entliehen: 9tXö[jLo^oc ^ap 6 avTjp 
(ChB 105). Bezeichnender Weife finden fich fafl alle deutlicheren 
Beziehungen auf ihn bei Choricius (vgl. B 20; 21, 6; 34 f.; 
RP 245; 246 und fonfli). Außerdem bildeten er und Xenophon 
die klaffifchen Muflier für den einfachen und kunflilofen Perioden- 
bau. Den Thucydides benutzten die Gazäer, um ähnliche Vor- 
gänge oder Verhältriifle in ähnlicher Weife wiederzugeben. So 
fcheint Choricius bei der Erzählung der Erfliürmung einer Stadt 
(RP 69 f.) die Erzählung des Thucydides von der Überrumpelung 
(n. 2 ff.) und dem Ausbruch der Platäer (III. 22 ff,) im Gedächt- 
nis gehabt zu haben, fo führt er faft mit denfelben Worten die 
Befchreibung der Infel Jotabe ein (RP 81, 17), die fich bei Thu- 
cydides (I. 24) über Epidauros finden. Doch konnte die ernflic 
und rauhe Sprache des Gefchichtsfchreibers den fchwächlichen 



1 Für Choricius vgl. J. Malchin, De Choricii Gazaei veterum Graecorum 
scriptorum stitdiis. Diss. KU. 1884, 



— 39 — 

Sophiflen nicht behagen; fie fachten nach größerer Glätte und 
Eleganz und nach reicherem Schmuck und fanden fie befonders 
bei Plato und Demosthenes. Wie groß das Anfehen des erfteren 
bei ihnen war, geht unter anderem daraus hervor, daß die fonft 
ziemlich ängftlichen Gazäer Prokop und Choricius eine große 
Zahl von Wörtern und Redewendungefi zu gebrauchen wagten, für 
die Plato der einzige klaüifche Gewährsmann in Profa ift, Chori- 
cius hat alfo: (4Ypot7ttCo(xat H 17, 210, 14; a^TTYjToc B 67, 4; 
ava^opsoü) B 153, 23; iTtdvä-pwTTOc B 67, 12; a7rso^6vö) B 140, 11; 
a(pa)vta B 107;.8taxop75c B 102, 2; Sodtg B 158, 26; l7ca7co^v/jox(o 
B 64, 4; layattd B 153, 6; ö-aiiiCö) H 17, 227, 24; d-B\i.i'z6(; 
B 201, 11; XYiSsfiovia B81, 20; (JiaxpoXoYia B 40, 19; (xo^oXöYV][i-a 
B 141, 4; o\iGd"fi^ix B 164, 4; TcapaXXaYT] B 157, 3; axtoetSTjc 
B 159, 12; ü7rö)(pooo<; B 86, 16. — Prokop bietet: axoXoo&ia; 
axiCotiai B 103; StoTdCö) B 119. Die Bedeutung des Demosthenes 
als Vorbild der Gazäer bedarf kaum einzelner Nach weife; es genüge 
zu erwähnen, daß Choricius (H 17, 208, 13 und 223, 1) fich 
feinen Zuhörern zu empfehlen fucht, indem er als Vorbild im 
vorliegenden Falle Demosthenes nennt. Neben den Genannten 
fanden Isokrates* und Aeschines^ Beachtung. Endlich holten 
Cie ihre Blumen aus den Gärten^ auch noch fpäterer von den Rhe- 
toren empfohlener Schriftfteller^. Gerade der letzte Umftand, daß 
die fpäten Nachahmer der Alten felbft wieder als Mutter dienten, 
war bedenklich; eine unnatürliche Buntheit in den Schriften der 
Gazäer konnte nicht ausbleiben. 

Schon das Sprachmaterial in feiner einfachften Form, der 
Wörterfchatz, war nicht einheitlich, nicht rein attifch, wie fehr 



* ChB 113, 5 Y^Äoaa irpotps/ooaa t?j<; Siavota? = IsocR. ad Dem. §4 
uoXXol(; Y^p 4j Y^<Ji*30* icpoxpl^^st tyj^ Stavoia?; f. auch ChB 41, 4 = l8. Eüagr. 
§ 28; RP 84, 21 ff.; etc. 

2 RP 227, 5 ff., 9 ff., dazu die Anm.; u. fonft. 

3 ChB 2, 3; 109, 3. 

* z. B. d. Ael. Aristides: ChB 10, 4 u. Anm. 3; — oder (vielleicht) 
des Aristjenetus : ChB 52, 17 ff. u. Anm. 4. 



— 42 — 

die einer Metapher der Gazäer zugrunde liegt — und man findet 
fie vielfach unfinnig, lächerlich, unfchön; oder es find zwei und 
mehr zufammengeworfen. Eine Reihe von Beifpielen öfter ver- 
wendeter Tropen mag dies erläutern: 

Metapher: ChB 302 zob<; elw^öta? zm Xöyodv ö([)07roio6<; ; 
PB 145 ItcI zb Ypaysiv avaYSTai; H 17, 216, 32 zm oxYjTrTpoov Ix- 
ßaXwv; PB 31 yepstv IttI t^c tXwttyj? täc Moooa?; ChRP 213 
STütaTOfJLiaat '^TjpLYjv xaTa)(^oüactv StaßoXifjv; ChB 144 Ix ^(stXiüDV 
ToSsöoai TOüc l'pcöTac; PB 40 6 :capt7r7rs63ac 5(etji({)v; PB 33 l^ttoio- 
X7)v sie aoTYiv ytXoaoytav avdYOüoav; ChB 9 zri<; alSoöc tyjv '^XG^zzolv 
aY5(o{)(3Y]c ; AD 39 tyjv ;rav87){JLOV Sßptv S7)[iooia jid^Tt^ TratSeo^TO), 
t6 [JL^pog IxT^iivoooa. 

Synekdoche: PB 103 t*^c 6[JLST^pac Adi^VTjc tcicöv. 

Allegorie:* ChB 23 (A7][jlo3^^V7]c) otTT^X^e .... tt]v 'A-ftYjvaicöv 
TD^c/jv (3aXsüO(JLdv'y]v xaTaXt7C(()V, Sixtjv vscog 7csptxXüCo[i^v'y]<; ävdjiwv zs ßicf 
xal aoYX^^st xü[JLdTa)v. 6 S^ (lIpoxÖTrtoc) tyiv Iv^Y^oooav äy^xsv ek 
acjcpaX^ TS xal \Li^a)^ op'itCoP'^VTjv Xiji^va, t6v tsp^a; f. AD 9, 2. 

Hyperbel: PB 75 xöpY] [iyjS^ tote olxstotc aTcaatv iY^waix^vYj, 
von einem Mädchen, defien Hochzeit bevorftandl 

Periphrafis: RP 216, 9 ttjv (t^x^''!^) avioöaav a/pt twv Iv 
oöpav(j) yatvofisvcöv — t^/jv oüx Iwaav äßaiov sivat tyjv toö IIoosiSwvoc 
apX'^v; RP 245 6 lac Mooaac ü7uo8s£d[i,svo(;, (p ^tXo^sviac (itaä'ov 
sxdoTY) ßtßXov I8a>xs jitav. 

Natürlich fehlen auch gute Tropen nicht gänzlich; fo ift z. B. 
die rhetorifche Frage mit gutem Gefchick von Choricius in feiner 
Rede auf Aratius und Stephanus (RP 79 f.) angewendet. 

Während nun die Gazäer in der Wahl der Worte und in dem 
darauf beruhenden Redefchmuck fich meift an ihre Mutter an- 
lehnten und fie ausfchrieben, waren fie in der oov^sok; zm 6vo- 
(ioEtüdv mehr auf fich angewiefen. 

Den Hiat hat unter den Gazäern Prokop am forgfältigften 
gemieden und zwar in den Briefen wieder forgfältiger als in der 
Rede. Ihm kommt Choricius am nächften, über den Förster 



— 43 — 

(H 17, 207 f.) das Genauere angiebt^. Bei Äneas, delTen Schriften 
die meillen Fälle von Hiat bieten, ift kaum ein Unterfchied 
zwifchen den Briefen und dem Dialog, wenn man die in den zi- 
tierten Stellen des letzteren vorkommenden Hiate in Abzug bringt. 
Auch in der fchwierigeren Kunft, der Rede gefälligen Rhyth- 
mus zu geben (f. ChB 5), verfuchten fie fich. Wenigftens bietet 
Prokop ein auffallendes Beifpiel (A 496), wo die Worte IvraöO-a 
8s TOD XÖYOü bis xbv Xö^ov %£t<; des Schema ergeben 



w — I w 



2i\ -w— j— — j — — j— www|--w, 



^ \J — 



— wl— — wj— — j—w — • 

3) w - I - - I - - 1 - - I - • 



Abgefehen von den befonderen Eigentümlichkeiten des Rhyth- 
mus an diefer Stelle, welche aus dem Schema erfichtlich werden, 
wird hier zugleich das allgemein gültige Gefetz veranfchaulicht, 
daß die Gazäer, ähnlich wie Demosthenes, das Zufammentreffen 
mehrerer Kürzen vermeiden. 

In den Klaufein haben alle mehr oder weniger Rückficht auf 
den Rhythmus genommen. Sie vermieden hier die Häufung kurzer 
Silben^, haben oft einen Epitrit*, meiftens aber den Kretikus^ 
der bei Prokop in der Regel in einem Worte ausgedrückt ift. 



1 Über die den Gazäern verwandten Schriftfteller überhaupt vgl. 

v. RoHDEN, 'De mundi miraculis, Bonn, 1875. 

2 z.B. ChB 28, llXüTC-rivexTetVü); 36, 7 icoielv eloDfl-w?; 85, 22 «wpaTiooa-rj? 
T-}]v YY]v; 41, 2 e^üo xöv CyjXov Tcotoövxai; 88, 20 jj.epet xaXXcDKtCeoö-at xal 
y.oa|jLetv; 41, 8 icpeoßüxt(; eüSaijjiüiv; 31, 19 YjiretXelto tq vyjoü); 88,3 oüXXajx- 
ßavo6G*r]<;; 30, 8 qi^etv ty]v Moöaav. 

3 Vgl. Anm. 1; dazu ChB 12, 12 üpilv 8tY|Yo5[j.at; 22, 10 äfa^oö? 
ap-otß-fj; 85, 28 xexoopLY|p.eva? ; 98, 17 izBpixpiyovxaq )^a)pav etc. 

* 16, 21 otscpdvoü? Xaßelv; 41, 6 eoXoYot«;; 29, 2 evavuot«;; 44, 2 Trpos- 
Gtavai; 30, 15 &iro|JLapa'.V£Tat. 



— 44 — 

Auch in der Zufammenfetzung größerer Wörtergruppen 
findet man gewilTe Gefetze beobachtet. Das fefte, innere Gefüge 
der Demofthenifchen Periode, der Xd^ic xaT£aTpa(i.(i^v7], die den 
Hörer nötigt, bis zur letzten Silbe aufzumerken, um den Gedanken 
zu erfalTen, findet fleh bei den Gazäern, wie überhaupt bei den 
meiden Sophiften, nicht. Ihre Periodifierung ift höchft einfach; 
die Konjunktionen xai, ts etc. und die Relativa find fall die 
einzigen Bindemittel. Dagegen achten [ie auf die Länge der ein- 
zelnen Teile einer Periode, daß fie entweder alle gleich find, oder 
ihre Länge nach bellimmten Gefetzen variiert, daß alfo das kürzere 
Glied dem längeren vorangeht, oder zwei gleiche Glieder ein ver- 
fchiedenes umfchließen. Bisweilen bildet eine größere Reihe von 
Sätzen eine künlllich aufgebaute Gruppe, wie ChB 118 fif. TooaoTYjc 
ouv ytXoTt(iia<; bis Tupöc %dXXo<; so ^-/^eiv. 

Vor allem andern maßgebend für die Kompofition der Wörter 
ifl die Rückficht auf die Figuren, ein Schmuck, in welchem fich 
diefe Sophiften befonders ftark fanden, wenngleich fie im Verhält- 
nis zu anderen Spätlingen wie Longus oder Achilles Tatius noch 
mäßig genannt werden muffen. Aber gleichwohl war es eine ihrer 
größten Schwächen, weil diefer Putz ganz äußerlich ift und nur 
bei fparfamer Verwendung in gefchickter Hand fchön kleidet. Auch 
hier haben die Gazäer zu dem Auffälligften gegriffen. Die Wahl 
der Figuren nimmt wenig Rückficht auf den Inhalt, wenn unfern 
Sophiften überhaupt eine folche zugetraut werden darf. Sonft 
fände fich das Hyperbaton^ und die ihm verwandte Parenthefis 
nicht in folcher Unzahl. Auch die Antithefe, oft gehoben durch 
Ifokola und Parifa, verrät fich in ihrer Häufigkeit als Spielerei^. 
Noch mehr thut fich der Ungefchmack in den verfchiedenen 



1 S. oben S. 41 und unten S.49 f. Beifpiele: PB 113 tyjv lnetSY] n&Xiv 
avY|)^ö"r](; eti \i.oj. BtajJievoooav otcoo8y|v; ChB 220, 6 TzoLVZOf; eicttpetpa? '(^Xtüta 
Yt^veo^at TpoTcoo; AB 13 täv Xacpopdiv ahxCb st? epavov cpipov xh ii.ipo<;. 

2 z. B. RP 226, 7 oüxe oxpSYetv xoaoötov, 8oov xal ooyotxelv , oüxe 
xoaoöTov jitoslv, oaov ital xtjv ö-eav IxxXtvetv. 



— 45 — 

Klangfpielen zu gute. Die Allitteration, von zwei bis zu vier und 
fünf Wörtern fich ausdehnend, muß noch ganz befonderen Fein- 
heiten und Abfonderiichkeiten dienen. So allitterieren die fich 
entfprechenden Wörter in parallelen Kola: PA 493, 2 TaöTa zpo<;- 
sTi^eiC T(j> 7röd(j), [isT^X5'e(; t-g Tüsipcf, xal npoQ äxpov Ittsiyoo toö 
7rpdY[AaT0<;. Oft fpielen fie mit der Häufung desfelben Buchftabens : 
AD 58 aXXa Tcdvia xatva Tcal aYadd; PB 92 TrdXat fiXa Xi^poc. 
Vgl. Johannes S. 60, VI, 16, 20 ff.; 42 ff. Einige anderen Er- 
fcheinungen verwandter Art werden am bellen beleuchtet durch 
befonders fchöne Mufterbeifpiele : PA 103, 11 ... . IvStattaa^-at, 
.... "i^TTdo^at, womit fich paffend die zahlreichen Reime bei 
Johannes vergleichen laffen^. PB 69 x^P^^ naki^^, RP 243, 12 
|xi|jL(öv .... iJLt[i.(öv .... (JLt[JLa)v .... (Jii|JL(ov .... (AtjKöv. Die 
Figuren, welche «^er adiectionem» gebildet werden, find mit Aus- 
nahme der Anapher feltener gebraucht. 

Die zahlreichen Afyndeta und Polyfyndeta fcheinen weniger 
um ihrer felbft willen da zu fein, als notwendig mit der Periodi- 
fierung zufammenzuhängen. Das Zeugma verrät bisweilen mehr 
Nachläffigkeit als bewußtes Handeln des Schreibers^. Anders Hebt 
es mit der ihr entgegengefetzten Figur, dem StsCsüY[isvov, an der 
freilich auch nichts zu rühmen ift: aXXo? (x^v ojxtvoYjg lp(^, etepcp 
TTpoc xöva^ 6 Ipoog, äXX({) TÖ^ov iv T^Sovg, T(j) Ss iTCTCo^ id TüaiSixd 
(AB 1). 

Von den Gedankenfiguren, die zum Teil den Gazäern fchon 
wieder zu fchwierig, aber auch zu energifch und kräftig find, findet 
fich am häufigften die rhetorifche Frage. Soll fie auch an mehreren 
Stellen einem beftimmten rhetorifchen Zweck dienen, etwa als 
nachdrückliche Bejahung wie ChB 34, 1 tI 8^ av ttc oh ^aüjidosi^ 
Gov> Twv YvcöptojidTcov; PA 497, 10 und fonft, — oder zum Ausdruck 



• • 



1 Vgl. JA S. 15 V. 6 ff. die Versfchltiffe: .... 'AtcoXXcov .... jj.6ö-ü>v 
8t(i>xü>v .... iraXfjLü) .... /opeütuv .... yevs^Xtjv .... SeXYjvYjv; 

S. 59 V. 36 f.: ... . \6)(^eo\i.a .... )^6peo[JLa u. fonft. 

2 ChB 142: 6p^ löv Ileipatä .... xal nakoLiä 8t7jY''lpLaTa. PA 615 
"Ap'f]? TS xal oxaat? iroppo) täv •?jji.eT^pü>v tcXavaiai, 



— 46 — 

einer Gemütsbewegung, wie das oft wiederkehrende In otY<?<; in 
Prokops Briefen: fo ift Cie doch in den meiften Fällen ein arm- 
feliges Mittel, die Rede weiter zu fchleppen, z. B. PA 515, 18 
aXXd Ti TTOts taoTatc lirtYpa^op-sv; Tt t^c aStag ^/ö(isvoy; y] TudvTüx; 
sxstva .... ChB 31. An Cie fchließt fich die Hypophora (z. B. 
RP 246, 1; ChB 69, 6 und fonft). Zahllos find wieder die 
Ausrufe, die Schwur- und Anrufungsformeln ^, die ohne Verftand 
und Mühe leicht aus Demosthenes gelernt werden konnten, ferner 
die Apoftrophe^, die Profopopoiia und Ethopoiia^. 

Über den Umfang der einzelnen Sätze und Perioden hinaus- 
fchauend, fallen wir dieKompofition des Ganzen aus kleineren 
und größeren Teilen ins Auge; wdr werden gewahr, mit welcher 
Kunfl der Gedanke einer Abhandlung zur Darfteilung gelangt, wie 
und in welcher Folge feine einzelnen Teile verknüpft werden. Nur 
wenigen Schriftttellern war es gegeben, diefe Aufgabe gut zu löfen: 
von den Gazäern wird niemand erwarten, daß fie die angeftauntefte 
Kunft eines Demosthenes oder Isokrates erreichen. Nicht bloß 
die Fähigkeit fehlt ihnen, auch das Wollen, ja felbft die Gefetze 
ihrer Kunft fträuben fich dagegen: Die zahllofen Digrefiionen in 
Geftalt von Gnomen, die dem fophiftifchen Rüftzeug fo recht eigen- 
tümlich find, oder auch längere Erzählungen, die oft wenig oder 
gar keine Beziehung zu dem Inhalt des Ganzen haben, unter- 
brechen jeden Augenblick den Zufaramenhang. So kommt es, daß 
ße gewöhnlich gewaltfam, mit faft ftereotypen Wendungen zur 
Sache zurückkehren müfien (ChB 87 und fonft). Oft bildet der 
ganze Inhalt einer Rede nichts als eine ziemlich lofe zufammen- 



^ Pß 56 : a> xüx^j Tü/Ti ; ChB 45 w uoXüjjLvfjaxoo CyjXwty] excpopa«; .... 
w O-txvdcTOü 8axp6u)V [xtj 8eo[jLevoo; AD 76, 3: Ji xtj? aoeßeta^. — vy] Aia, [jl« 
Aia, Kpbq Atö(;, val [xa Ata, vy] xohq ^eo6<;, etc. 

2 AD 17, 7: icot (plpeofl-e, a> 'A^Y|vaIot; PB 7: 'AXX' w icavxe? "Epcote? 
el? TCeipav a^zxe xoötov . . . . ; ChRM 37, 484, 2; RP 216 f. . . . . 

3 Die Vorliebe der meiften Sophiften für diefe Dinge bezeichnen 
die zahlreichen 'IIö-oTrottat und MeXexat, in denen fie durch die Verwendung 
der genannten Figuren einen eigenen Litteraturzwejg ausgebildet haben. 



— 47 — 

gefchobene Maffe fall felbftändiger Erzählungen, was nach den 
Lehren der Technographen in den Enkomien, nicht aber in andern 
Reden, z. B. den [iieX^tat für die Mimen (RP 212 ff.) u. a. ge- 
Ilattet ift. Weil die Gazäer nicht verliehen, diefen Teilen einen 
inneren Zufammenhang zu geben, fo treten auf jeder Seite die 
rein äußerlichen, läftigen Übergangsformeln auf. Nichtsdelloweniger 
findet man bei ihnen bisweilen eine kunllvollere DispofitiOn. So 
zeigt der Epithaph des Choricius auf Maria, der wohl zu den ge- 
lungen den Stücken des Sophiften gehört, eine wohlüberlegte, wenn 
auch mit Hilfe, der rhetorifchen Vorfchriften durchgeführte Anlage. 
Im Eingang fagt Choricius, in wiefern feine Rede von den gewöhn- 
lichen Leichenreden abweiche: Sonft fuche man zu Thränen zu 
rühren; dies verbiete der Charakter und der glückliche Tod der 
Verflorbenen: iie ftarb zur rechten Zeit und in feiiger Hoffnung 
für das Jenfeits. Darauf preifl der Redner abwechfelnd ihren 
Charakter und ihr wohlverdientes Glück während diefes Lebens: 
Sie war eine üttfame, befcheidene Jungfrau, eine gute, liebevolle 
Gattin. Dafür war ihre Ehe mit acht trefflichen Kindern gefegnet. 
Die Mutter wird nun in ihren wohlgeratenen Kindern gelobt. 
Trotz all des Glückes war fie niemals ßolz; dafür war Cie bei jeder- 
mann beliebt, wie die große Beteiligung an der Leichenfeier zeigt. 
Auch im Jenfeits findet fie Belohnung für ihre Tugenden, ihre 
Wohlthaten. Von letzteren greift der Redner einige heraus und 
befpricht £ie in auflleigender Reihenfolge. Er preifl nochmals das 
glückliche Ende der Maria und trollet dann ihre Söhne und Töchter 
über den Verlull einer folchen Mutter. Zum dritten Mal betont 
er den glücklichen Tod und beendet feine Rede mit einer Art 
Grabfchrift, welche alles Gefagte zufammenfaßt. — Den Hauptteil 
des Ganzen bildet das in die Mitte geftellte lange Enkomion, in- 
dem jedesmal der Lohn für die aufgezählten Tugenden genannt 
wird. Voraus gehen die Einleitung und ein kurzes Troftwort, 
hinter dem Enkomion folgt eine längere Paramythie und der 
Schluß. 



^ö 



Erkennt man auch hier überall die Vorfchriften und Mufter 
der Rhetoren wieder, fo tritt doch eine fo fklavifche Abhängigkeit 
nicht hervor, wie in andern Stücken der Gazäer. Man vergleiche 
nur Prokops Lobrede auf Anaftaiius mit den Vorfchriften des 
Menander (III, 368 Sp) : Die Reihenfolge der einzelnen Punkte, 
felbft die verwendeten Phrafen zeigen ein fchülerhaftes Ankleben 
an der Techne. Frappant ift die gleiche Stellung der Vergleichung 
im Proömium (491, 5), die fchöne Umgehung der obfkuren Ab- 
ftammung des Kaifers, kurz, Punkt für Punkt zeigt den fchlimmen, 
gedankentötenden Einfluß jener bis ins einzelfte ausgearbeiteten 
Technai und Mufterftücke. Dasfelbe gilt für alle anderen Arten 
von Reden und Deklamationen. 

Haben die Gazäer in diefen Dingen immer die Vorfchriften 
der Technographen vor Augen gehabt, fo haben üe wohl auch 
einen von denfelben aus den Schriften der Klaffiker herausge- 
fundenen und zum Zwecke der Nachahmung befchriebenen y^apcf.- 
yvTTjp feftzuhalten und nachzubilden vcrfucht. Ein Mönch des Mittel- 
alters fagt, daß Prokop und Choricius «t*^«; laTretvoidpac XsIscdc, 
TjYoov xffi xa^apac TrapaSsiYjjLaTa» feien ^ und hat damit ziemlich 
das Richtige getroffen ; näher noch kommt man der Wahrheit mit 
der Bezeichnung äydXsta, die fich in mancher Hinficht mit der 
xa^apÖTTjc deckt. Die meiflen Stoffe, mochten die Gazäer fie als 
felbftändige Argumente behandeln, oder in Form größerer und 

kleinerer Epifoden in die Abhandlungen, Reden und Briefe ein- 
fügen, tragen den Charakter der aydXsta^. Daher gehören vor 
allen die mythifchen Erzählungen bei Choricius : elc pöSov, Yjä-oTrotta 
'AypoSiTYjc, die dritte Dialexis, die Stoffe aus dem trojanifchen 
Sagenkreis, dann Tuspl lapo^:, die Epithalamien und ähnliches, end- 
lich die vierte Dialexis, «evvotat», die um fo «a^eX^OTspat» find, 
als fie im engeren Sinn der '{kv^rhrrfi zukommen; darauf folgen 



1 Bhett. gr., III., 256, 17 W. 

2 S. Hermog. TCSpl tSsüiv, II, 351 ff. Sp. 



}i 



— 49 - 

die Tj^oTTouai 7cot(idvo<; und l(JL7röpot> und die Ixypdaei?. Hin- 
fichtlich der «svvota» find auch folche Reden und Deklamationen 
hierherzuziehen, die an fich nicht unter den Begriff der itpiXsia 
fallen, die aber durch die eingelegten Epifoden diefes Charakters 
ein folches Gepräge, zum Teil gegen die Gefetze der Rhetorik, er- 
hielten, alfo die Enkomien, befonders die Briefe, endlich fogar der 
Dialog des Äneas, obgleich das «ßa&ö» und «7usptvevo7](idvov» diefer 
philofophifch-theologifchen Abhandlung an fich ausdrücklich der 
öLfiXeia entgegengefezt wird^. Auch die fprachliche Darfteilung 
kann in folcher Weife wirken. Aber wie weit haben überhaupt 
auch hierin die Gazäer das atpski^ erreicht? Wenn man die 
Schilderung diefes y^aLpoL%vfip bei den Rhetoren zu Rate zieht, fo 
findet man manche Vorfchriften beobachtet, anderen gerade ent- 
gegengehandelt. Der ayiXeta entfprechen die einfachen kurzen 
Sätzchen, mit denen gewöhnlich auch der Gedanke abfchließt, der 
faß regelmäßige Ausgang derfelben auf eine lange Silbe, der im 
allgemeinen ungekünftelte Rhythmus, der gefällige Klang durch 
Vermeidung des Hiat und der fogenannten freni, ferner die Steigerung 
des Wohlklangs durch Paronomafien und ähnliche Figuren. Da- 
gegen widersprechen dem Begriff derfelben die vielen Tropen, die 
unzähligen Hyperbata und verfchiedenes andere. Ohne Zweifel 
haben die Gazäer in ihren meiften rhetorifchen Schriften mit 
Bewußtfein nach der äy^Xstcfc geftrebt. Aber fie teilten die Fehler 
ihrer Zeit; nicht mehr von dem richtigen Gefchmack geleitet, 
fchoffen fie einerfeits weit über das Ziel hinaus, indem fie die der 
aydXsta zur Stütze dienenden Mittel im Übermaß verwendeten, 
andererfeits mochten fie auch wieder nicht auf folchen Schmuck 
verzichten, der mit ihr in Widerfpruch ftand. So verfielen fie im 
Großen und Ganzen dem Fehler, der dem ifivo? YXayopöv gegen- 
überfteht: der Kakozelie. 

Doch nehmen nicht die Schriften aller hier in Betracht kom- 
menden Gazäer denfelben Rang ein. Entfprechend dem gefunderen 



1 a. 0. 361. 

Seitz, Die Schule von Gaza. 



■• • j j ■ 



— 50 — 

Charakter des Prokop find auch feine Schriften etwas erträglicher. 
Gleichwohl hat er das erkannte Ideal bei weitem nicht erreicht^. 
Seine Lobrede auf Anaftafius darf als das hefte Stück aus dem 
Nachlaß der Gazäer bezeichnet werden. Der rhetorifche Schmuck 
ift fparfamer und angemeflener, als in den Briefen. Die Monodie 
ihm beizulegen, wäre ein Unrecht an feinem Gefchmack und 
formellen Können; der erfte Satz fchon trägt den Charakter des 
Ganzen zur Schau: TIv äpa xal oojt^opa oojtyopa? %cd Tcado« Tcdcdooc 
xal XÖTCY) XoTCYjc xal oI|X(öyt] 01(1(07^)^ %al -B-p^voc dpi^voo (istCwv .... 
Sonderbarer Weife findet fich ein ähnlicher Gegenfatz auch 
zwifchen der erhaltenen Monodie des Choriciüs und feinen übrigen 
Deklamationen; er hat eben in der Befolgung der Vorfchriften für 
die Abfafl\ing von Monodien des Guten zu viel gethan. Nicht 
feiten jedoch find feine Bemühungen auch von beflerem Erfolg 
gekrönt. Seine Rede oTc^p zm Iv Atovöooo töv ßtev elxovtCövccöV, 
die inhaltlich die umfangreiche Belefenheit ihres Verfaflers bekundet, 
enthält viele angemeflenen Stellen. Der Epithaph auf Maria fpricht 
durch echt antike Einfachheit und Schlichtheit in Gedanken und 
Ausdruck an, und auch in andern Reden fehlt es nicht an fchönen 
Stellen. Aber im allgemeinen zeigen feine Schriften doch die 
Fehler feiner Zunft und feiner Zeit und verraten nur allzu oft den 
mit feinem Wiflen und feiner Sprachgewandtheit prunkenden So- 
phiften. Und zwar gefchieht dies nicht bloß in den fogenannten 
6taX^£sic wie ChB 202, die von jeher zum Tummelplatz der 
Witze und Albernheiten beftimmt waren, fondern oft genug auch 
in den XöYOt felbft. Das anerkennende Urteil von Bertrand*, der 
ihn als Kenner der Kunft und von gutem Gefchmack rühmt, 
kann in diefer Allgemeinheit nur mit Beziehung auf die damalige 
Zeit überhaupt gelten. Um von den zahlreichen Verftößen des 
Choriciüs gegen Gefchmack und Angemeffenheit nur wenige Bei- 
fpiele anzuführen, diene folgendes zur Berichtigung der Meinung 



» Vgl. oben S. 41. 

* üh critique d'art dans VantiquiU, Philostrate et son icöle. Par. 1881, 






— 51 — 

des franzöfifchen Gelehrten: ChB 87, 11: loco? av xal (loootxöv 
67r7]xoöoav i7:oi7]oev (nämlich einen Chor von Singvögeln an die 
Wände der Klirche), el (ti] Tcpö? ffjv ^eiav ixpöaatv l(i.7röStov "^v 
y'&sYYOl^^VTf]; oder man lefe, was fich kurz zuvor oder 91, 12 findet. 
— Hübfeh nehmen fich auch homerifche Verfe im Munde des 
Polydamas aus, z. B. H. 210, 17 und 22. Im Epithaph auf 
feinen Lehrer, follte man erwarten, wäre er etwas vernünftiger. 
Weit gefehlt, er fchwelgt in demfelben Wortgepränge, wie in den 
übrigen Deklamationen. Daß fich bei ihm, höchft gefchmackvoU, 
Stellen aus Homer und Jesaias nebeneinander finden, darf uns 
nicht wundern, da Pbokop und Äneas ähnliches haben. — Bis- 
weilen jedoch bemerkt man ein Streben nach Angemeflenheit, 
worüber er fogar ausführlicher in einer Dialexis fprach. Freilich 
find diefe Verfuche meift fehr grober Natur, wie wenn Priamos, 
üff(Äp5(ö>v TcpeoßütTic (H 236, 23), mehr mit weifen Sprüchen um 
fich wirft, als andere Perfonen in den Deklamationen des Gazäers. 

An Äneas endlich könnte man ganz irre werden. Während 
feine Briefe nüchterner und gefälliger find als die des Prokop, bietet 
fein Dialog neben den fchon erwähnten fachlichen Mängeln eine 
Reihe von Verftößen gegen die Sprache, befonders aber gegen die 
Angemeflenheit des Stils. Sein Hafchen nach den äußerlichften 
und gewöhnlichilen Mitteln rhetorifchen Schmuckes ift geradezu 
beleidigend in einer Abhandlung über wichtige und hochernfte 
Gegenftände. 

Aber trotz aU diefer Mängel flehen die Gazäer, befonders in 
rhetorifcher Hinficht, hoch über ihren Zeitgenoflen. Sie ernteten 
denn auch, wie wir fahen, fchon zu Lebzeiten großen Ruhm und 
wurden für die byzantinifche Beredfamkeit fogar Vorbilder. Im 
allgemeinen erwähnt werden die Gazäer von einem Anonymos*, 
allerdings in wenig auszeichnender Weife: .... o5S' Stcod*; ÜXaTCöVt- 
XY]v IS^av (JLetaßdXXetc sie A7](JL0oö*svtx'y]v t) tcoitjtix'Jjv (isYaXTjYopiav 
elc 7roXtTtx'y]V pTjtopetav afist^felac &^nep elc äXXirjXa (teTOXSTSöoöV za 

1 Gram. Änecd, gr, Ox, HI. 172,